Der Mann im Mond, der hat es schwer…

sang Gus Backus schon 1961.

Der Mann im Mond
Der hat es schwer
Denn man verschont
Ihn heut‘ nicht mehr
Er schaut uns bang
Von oben zu
Und fragt:
„Wie lang‘
Hab‘ ich noch Ruh‘?“

Acht Jahre später war es dann soweit, dass Neil Armstrong (und kurz nach ihm Buzz Aldrin) als erste Menschen den Mond betreten.

Wir saßen unten in im Zelt und guckten zu.

Wir – das waren die Jungen im Jungscharzeltlager des Evangelischen Stadtjugendpfarramtes Darmstadt. Ich – 18 jährig – war als Helfer dabei.

Wir konnten zugucken, weil Heinrich Hallenberger als Stadtjugenddiakon die im nachhinein geniale Idee hatte, einen Generator aufzustellen.

Das war eine Zeitenwende. Strom hatten wir bis dato noch nie in einem Zeltlager, wir wären auch nie auf die Idee gekommen. In den Zelten wurde nachts eine Petroleumlampe angezündet, im Lager brannte die ganze Nacht das Lagerfeuer.

Von einem Elektrogeschäft bekam Hallenberger ein für die damalige Verhältnisse riesigen Fernseher geliehen, natürlich in Schwarz-Weiß. Das Farbfernsehen gab es zwar immerhin schon zwei Jahre, aber so etwas war noch teuer und unausgereift.

Fernsehgerät in den 60ern – natürlich das rechte.

Und so durften 40 8-14 jährige länger aufbleiben, saßen nachts gebannt vor der Kiste und sahen erstaunt, dass Neil Armstrong gar nicht ging, sondern eher hüpfte.

Das Mondfoto habe ich am 16. Juli fotografiert während der Partiellen Mondfinsternis.

Wie hat uns die Burg verbunden, unvergessen jeder Tag…

So begann ein Lied, das wir manchmal auf Fahrt gesungen haben. Zum Beispiel bei unserer Rheinhöhenwanderung in den frühen 60ern.

Wir wanderten von Oberwesel nach Bingerbrück, eine Station war die Jugendburg Stahleck in Bacharach.

Jugendburg Stahleck
(Foto: Sir Garwain/Wikimedia)

Nicht bewusst war mir bei unserer letzten Lahnwanderung, dass Burg Balduinstein die Jugendburg des Nerother Wandervogels ist (betrieben vom „Freien Bildungswerk“).

Jugendburg Balduinstein
(Foto Hermann Hammer/Wikimedia)

Viele Male war ich mit Konfirmanden auch auf der Jugendburg Rieneck der Christlichen Pfadfinder am Main.

Jugendburg Rieneck
Foto: © JD (de.wikipedia.org)

„Jugendburgen“ sind mittelalterliche Burgen, die seit der Jugendbewegung im Laufe des 20. Jahrhunderts als Begegnungstätten umgebaut wurden. Davon gibt es in Deutschland 23.

Am bekanntesten ist vielleicht Burg Waldeck durch die legendären Waldeck-Festivals, die erste Open-Air-Festivals Deutschlands.

Jugendburg Waldeck
© CEphoto, Uwe Aranas

Ende der 60er kam ich dann zum ersten Mal auf „unsere“ Jugendburg, Burg Hohensolms, ein paar Kilometer von hier.

Jugendburg Hohensolms
(Foto: Solmesius / Wikimedia)

Heute bin ich dort im Vorstand des „Freundeskreises Hohensolms“.


Eine Reise in meine Vergangenheit: Besuch im Archiv der Jugendbewegung

Letzte Woche unternahm ich eine kleine Reise in einen wichtigen Teil meiner Vergangenheit.

Wir besuchten die Jugendburg Ludwigstein im Werratal. Ludwigstein ist „die“ Burg der Jugendbewegung. Sie wurde 1920 gekauft und von den den Bünden der Jugendbewegung zur Jugendburg und zum „Erinnerungsmal für die im 1. Weltkrieg gefallenen Kameraden“ erbaut.

Heute arbeiten dort das „Archiv der Deutschen Jugendbewegung“, inzwischen Teil des Hessischen Staatsarchives , eine Jugendbildungsstätte und die Burg als Begegnungs- und Tagungsstätte. Sie ist Sitz des „Rings Junger Bünde“, in dem sich viele Nachfolgeorganisationen der Jugendbewegung zusammengeschlossen haben.

Burg Ludwigstein
Burg Ludwigstein
Blickt rüber zum Hanstein
Die gegenüberliegende Burg Hanstein lag schon in der DDR
Auf der Burg finden sich die alten Symbole
Mit dem Wandervogel begann die Jugendbewegung
Aus grauer Städte Mauern…
Historisches
Halstücher sauberlich im Archiv…
… und in meinem Arbeitszimmer

Dass Halstuch, Knoten und Koppel noch in meinem Zimmer hängen, zeigt wie wichtig für mich die Evangelische Jugend war.

Wie ich dorthin kam, habe ich hier beschrieben.

Wir gehörten nicht zur Bündischen Jugend, waren Teil der verfassten Kirche. Aber wir betrachteten uns durchaus als Nachkommen der Jugendbewegung.

Zeltlager, Wander- und Trampfahrten, Abende am Lagerfeuer und viele viele Lieder verbanden uns.

In den 6oer Jahren blühten die Jugendbünde neu auf, neben den „Jugendverbänden“ gab es auch alte Bünde: die Nerother, die Freischar, die d.j.1.11., den Bund Deutscher Jungenschaften und wie sie alle hießen, Wir trafen uns bei Zeltlagern und Treffen des Stadtjugenrings.


Die „Christdeutschen“

Hohensolms entstand als Jugendburg des „Bundes Christdeutscher Jugend“. Mein Vater gehörte zu den Christdeutschen, bis sie 1933 in die HJ überführt wurden.

„Was für ein Name“ wirst Du jetzt denken. Und hast teilweise, aber nur teilweise, Recht.

Der Name „Christdeutsch“ zeigt, wem sich dieser Bund verpflichtete: dem Christlichen und dem Deutschen. Bewusst wurde das „Christ“ an den Anfang gestellt, es sollte an erster Stelle stehen – in der Konsequenz sind die Christdeutschen später zur Bekennenden Kirche gestoßen.

Nicht ohne erbitterte Auseinandersetzungen und viele, die sich abwandten.

Aber da stand eben auch das „Deutsch“. Dahinter stand wie nahezu der gesamten Jugendbewegung völkisches Gedankengut, vielleicht die Gruppen der Arbeiterjugend ausgenommen.

Der „Freundeskreis Hohensolms“ ist sozusagen die Nachfolgeorganisation der Christdeutschen. Weil Teile unseres Archivs an das Ludwigsteiner Archiv abgegeben wurde, sind wir dorthin gefahren, um ein wenig in unseren alten Unterlagen zu stöbern.

Wie hat uns die Burg verbunden!
Unvergessen jeder Tag,
unvergeßne Abendstunden,
da das Land im Traumlicht lag!

Steht noch einmal auf dem Felsen,
blickt ins Tal, wie sich’s gebührt,
wo der Strom im Weiterwälzen
seine Strudel mit sich führt.

Lieder, die wir hier gesungen,
Fragen, die wir hier gefragt,
und was innen mitgeklungen,
ungefragt und ungesagt,

laßt es uns getreu bewahren,
all das leise Überein!
Wer wie wir das Glück erfahren,
kann nie wieder glücklos sein.


Manfred Hausmann


Eines unserer Lieblingslieder auf unseren Fahrten:

Trampen wir durchs Land


Fortsetzung folgt: Die „dunkle Seite“ der Jugendbewegung

In der Brusttasche zu tragen: die Mundorgel wird 60

Haargenau in die Brusttasche der „Kluft“ passte die Mundorgel, die immer dabei sein musste. Schließlich gehörte „Singen“ selbstverständlich zum „Vierklang“ jeder Gruppenstunde: Singen – Spielen – Erzählen – Andacht.

In meinem Bücherschrank findet sich noch ein Exemplar aus den frühen 60er Jahren und eines von 1970.

Mundorgel

Dieses Jahr wird sie 60. Otmar Schulz hat dazu eine schöne Sendung im Deutschlandfunk gemacht, die ich hier mit dessen Erlaubnis wiedergeben kann.

Sendung „Und wie die Alten sungen“

Kommentare

Wandervogel. Kalenderblatt

„Aber warum, Herr Pohl“,

fragte mich annodazumal Professor Seidelmann in meiner mündlichen Prüfung zur Geschichte der Jugendbewegung. „Es gab unterschiedliche Strömungen im Wandervogel“, antwortete ich.

„Ja, aber was führte zur Spaltung?“

Mir ging natürlich das Bonmot durch den Kopf, der Wandervogel habe sich gespalten, weil die einen nur noch wandern wollten. Aber das konnte ich in der Prüfung natürlich nicht sagen.

„Die Spaltung entzündete sich an der Person Karl Fischers“. – „Jaa, aber was war mit dem?“ – „Karl Fischer war vielen zu autoritär.“ – Herrr Pooohl, der war sooo was von autoritär, Sie können sich das gar nicht vorstellen, wieee autoritär der war“

Sie merken, ich sprach mit einem, der Karl Fischer persönlich gekannt und erlitten hatte.

Karl Fischer

war der Gründer des Wandervogels. Heute, am 4. November vor 109 Jahren, gründete er im Ratskeller in Steglitz den „Wandervogel-Ausschuß für Schülerfahrten“. Nach einem Vorläufer unter dem „Oberhäuptling“ Hermann Hofmann gilt dieses Datum als Initialdatum der Jugendbewegung.

Wandervogel-Gedenktafel (Foto: Wribln)
Wandervogel-Gedenktafel (Foto: Wribln)

Karl Seidelmann dichtete viele Lieder der Jugendbewegung: „Auf grüner Jung“, „Der Käppen, der Stürmann, der Bootsmann und ich – ja wir sind Kerle“, „Buben im Feuerkreise“.

Buben im Feuerkreise
Haltet treu die Wacht!
Singt die alte Weise
Durch die dunkle Nacht

Refrain:
Brüder in den Zelten
Schlaft nur immer zu!
Wachen im Feuerkreise
Schützen eure Ruh.

2. Kameraden, leise
Dämpft der Stimme Schall!
Singt die alte Weise
Durch das stille Tal.

3. Kameraden, leise
Nächste Wache vor!
Singt die alte Weise
Auf zum Sternenchor.

4. Buben im Feuerkreise,
Haltet treue Wacht
Bis der Morgen leise
Verdrängt die dunkle Nacht

Brüder in den Zelten
Wacht dann auf in Ruh
Zieht weiter in die Ferne
Stets der Sonne zu.

Karl Seidelmann

Klingt heute komisch, aber diese Art von Romatik prägte viele Generationen.