Die ersten Erinnerungen sind die an die beiden Zimmer, in denen wir zuerst wohnten. „Hausten“ muss man eher sagen.

Zwei kleine Zimmer, eine klitzekleine Küche mit wohl nicht mehr als 2 m² und ein kleines Klo. Zwei Erwachsene und zwei Kinder, kann sein, dass wir so auch noch wohnten, als mein Bruder schon auf die Welt gekommen war. Also drei Kinder.

Ich schlafe mit meiner großen Schwester im hinteren Zimmer, durch die Tür kommt man nach vorne ins Wohnzimmer. Es ist dunkel, ich klettere aus dem Bett und tappe barfuß über die alten rotgebohnerten Holzdielen. Den schwarzen Bakelittdrehschalter berühre ich nicht, meine Schwester soll nicht aufwachen. Meine Eltern sind nicht da, sie sind wohl im Vorderhaus bei G’s Fernsehgucken. Das machen sie oft. Später darf meine Schwester manchmal mit, dann passe ich auf meine mittlerweile zwei kleinen Geschwister auf.

In der Küche ist ein Minifensterchen, durch das man nach hinten in einen anderen Hof gucken kann. B’s haben hier zwei große Bulldozzer stehen. Die sehen aus wie die Traktoren bei Oma, sind aber noch viel größer.

B’s haben auch einen großen schwarzen Hund., der frei im Garten herumläuft, einem schönen großen Garten. Manchmal kann ich nicht fassen, dass direkt an unser Haus ein so schöner Garten grenzt. Aber wir dürfen nicht hinein. Bei uns gibt es nur ein kleines „Gärtchen“, das vom gepflasterten Hof abgegrenzt ist.

Im Gärtchen steht eine Teppichstange, an der wir manchmal turnen können und unter einem Wellblechdach hängen Wäscheleinen. Im Winter gefrieren die Hemden an der Leine und man muss aufpassen, dass man nicht die Ärmel abbricht, wenn man sie von der Leine nimmt.

An eine Wand hat mein Vater Bohnen gepflanzt, deshalb gibt es immer Bohnen. Ich hasse Bohnen. Aber es gibt sie in allen Variationen und es ist genug da, dass sie für den Winter noch eingemacht werden.

Im Hof und im Gärtchen treffen wir uns mit den anderen Kindern im Haus zum Spielen. Wer mit den Hausaufgaben fertig ist, klingelt bei den anderen: „Darf der Klausi“ rauskommen?“

Wir heißen eigentlich alle mit i, Horsti, Wolfi, Klausi, Gardi. Nur Fritz ist das Fritzje. Und manche Namen gehen einfach nicht mit i.

Das Problem ist in der Küche, dass ich zu klein bin, um durch das Fensterchen zu gucken. Und weil die Küche so klein ist, steht der Backofen direkt vor dem Fenster. Eigentlich ist das praktisch, ich kann die Klappe aufmachen, mich draufstellen und rausgucken.

Das ist wohl meine erste Erinnerung: ich stelle mich auf die Klappe vom Backofen und sie bricht ab. Ich falle auf den Boden, tue mir ziemlich weh. Aber schlimmer ist, dass meine Mutter sehr traurig ist, weil der Backofen kaputt ist. Ein neuer kostet viel Geld und das müssen wir erst mal haben.

Von meinem Vater bekomme ich mit dem Kochlöffel. Vielleicht auch mit dem Teppichklopfer, das weiß ich nicht mehr so genau. Mit dem Schürhaken sicher nicht, das war nur ein paar Mal, wenn’s besonders schlimm war.

In ihrem Buch „Leben Schreiben Atmen“ schreibt Doris Dörrie wundervolle kleine Geschichten und gibt Anregungen zum Selber Schreiben:

1. Schreib zehn Minuten ohne Pause. Am besten mit der Hand. Laß Dich treiben.
2. Denk nicht nach. (Wenn man zu viel nachdenkt, hört man prompt auf zu schreiben.) 
3. Kontrollier nicht, was du schreibst,. Mach Schreibfehler, Grammatikfehler, schreib Blödsinn.

Gehe durch die Wohnung Deiner Kindheit, gehe in die verschiedenen Zimmer. Lass Dich nicht unterbrechen.

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