Ganz, ganz, ganz früher haben wir noch Leibchen getragen. So klein ich war, erkannte ich die Schmach: als Junge ein Leibchen tragen. Als Junge!

An Strapsen wurden mit einem Pfennig – weil der ursprüngliche Knopf meist verloren gegangen war – lange Strümpfe befestigt.

Ich hasste lange Strümpfe. Mein einziges Glück war, dass ich nicht wie andere Buben lange Strümpfe unter kurze Hosen anziehen musste. Zu kurzen Hosen gab es nur Kniestrümpfe. Ich glaube, Socken gab es gar nicht.

Die Leibchen wurden abgeschafft, als es Strumpfhosen gab. Die hasste ich genauso. Ich schämte mich immer furchtbar in ihnen, wenn ich im Hallenbad in die Sammelumkleidekabine musste. Dann habe ich mich in eine Ecke gestellt und rumgetrödelt, bis ich mich unbeobachtet fühlte und das Ding überziehen konnte.

Manchmal schaffte ich es, mich in eine Einzelkabine zu schmuggeln. Das war für Kinder verboten, aber wenn man drin war, war man eben drin. Vor allem wegen der grünen Strumpfhosen liebte ich Einzelkabinen.

Deshalb fand ich es toll, als mir ein netter Mann einmal sagte, ich dürfe mit ihm in seine Kabine kommen. Ich sagte ja, aber dann plötzlich bekam ich weißnichtweshalb Angst und ich habe mich vor ihm versteckt.

Wir hatten natürlich nur selbstgestrickte Pullover. Die kratzten ganz fürchterlich und ich hasste sie auch. Ich glaube, ich habe jedesmal geheult, wenn ich einen über den Kopf gezogen bekam . Sie waren natürlich eng und man musste durch einen langen Höllentunnel durch, bis man oben wieder rauskam.

Wahrscheinlich wollte ich deshalb später lange keine Pullover anziehen und erst langsam finde ich Gefallen daran. Aber immer noch hasse ich Rollkragenpullover, weil man bei ihnen auch durch diesen Höllentunnel muss wie bei den Kratzepullis und sie so eng um den Hals liegen, dass man erstickt.

Als Hosen hatten wir Sommers wie Winters Lederhosen. Im Sommer kurze, im Winter dreiviertellange. Mit einer Tasche an der Seite, um ein Messer reinstecken zu können und einen Hirschen am Träger, um einen Groschen reinstecken zu können, wenn man einen hatte.

„Heil Hitler“ haben Kinder gegrüßt, als ich mit 13 zum Schüleraustausch in England war und mit meiner „Leaderhose“ auftauchte.

Luba hatte auch eine Lederhose. Sie kam damit in die erste Klasse und ich verliebte mich sofort in sie. Dass Mädchen Hosen tragen können, hatte ich noch nie im Leben gesehen. Und dann Luba mit ihren schwarzen Augen und Locken.

Sie hat mich glaube ich keines Blickes gewürdigt. Meine erste heimliche Liebe. In ihrer Lederhose. Mit rotem Träger.

In ihrem Buch „Leben Schreiben Atmen“ schreibt Doris Dörrie wundervolle kleine Geschichten und gibt Anregungen zum Selber Schreiben:

1. Schreib zehn Minuten ohne Pause. Am besten mit der Hand. Laß Dich treiben.
2. Denk nicht nach. (Wenn man zu viel nachdenkt, hört man prompt auf zu schreiben.) 
3. Kontrollier nicht, was du schreibst,. Mach Schreibfehler, Grammatikfehler, schreib Blödsinn.

Schreib über ein Kleidungsstück, dass du als Kind hattest; Dass du geliebt oder gehasst hast, das wie eine Rüstung für dich war oder dich der Lächerlichkeit preisgegeben hat.

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