Beim Essen saßen wir immer um den großen Tisch in der Küche, Mutti am Kopfende, dann neben ihr Vati, dann die Kinder, nach Alter geordnet.

„Nicht mal beim Essen kann man in Ruhe Nachrichten hören“, sagte mein Vater manchmal, der eigentlich am Tisch fast nie etwas sagte, stand auf und schleifte sein Messer unten am Teller. Ein Quietschgeräusch, das ich nicht ausstehen konnte.

Er aß manches nicht, vor allem keinen Fisch, deshalb gab es den nur, wenn er nicht da war. Abends aß er am liebsten seinen „Stinkekäse“ Romadur. Manchmal machte er sich auch „Handkäs mit Musik“. Natürlich bekam er, wenn es mal Fleisch gab, das größte Stück ab. Bei Fleisch und beim Nachtisch passten wir immer genau auf, dass jeder gleich viel bekam, außer Vati natürlich.

Am liebsten mochte ich, wenn Mutti Grießbrei machte, dann malte sie mit Marmelade ein lachendes Gesicht auf den Brei und voll Lust konnte man dann das Gesicht zerrühren.

Mein Bruder mochte keine Kartoffelklöße. Weil ich neben ihm saß, sah ich immer, dass er die Stücke hinter die Eckbank warf. Das war ein stabiler „Rollschrank“ und man konnte nicht dahintersehen.

Gleich als ich aufs Gymnasium kam, gewöhnte ich mir an, nach dem Essen mit meiner Mutter eine Tasse Kaffee zu trinken, danach legte ich mich lang auf den harten Rollschrank und schlief da erst mal.

Morgens gab es Haferflocken. Heute würde man „Müsli“ sagen, aber den Begriff gab es noch nicht. Wir bekamen Haferflocken, einfach Mit etwas Milch verrührt oder auch mal mit etwas Kakau. Feine Haferflocken mochte ich nicht und schon gar nicht Haferschleim oder Haferflockensuppe. Die sollten wir essen, wenn wir krank waren, aber ich musste darauf brechen.

Noch heute liebe ich es hingegen, ein Glas warme Milch mit Honig zu trinken, wenn ich krank bin. Das ist Labsal für die Seele.

Krank sein war in unserer Familie immer etwas Besonders. Kranke Kinder bekamen besondere Fürsorge. Das Zimmer wurde verdunkelt, eine Decke über die Stehlampe gehängt. Wer krank war, durfte sich wünschen, was es zu essen geben sollte. Man musste aber aufpassen, dass man keinen Hunger zeigte, das war ein Zeichen für Gesundheit.

Die andere Grundbedingung war: man musste im Bett bleiben. Wer aufstehen konnte, wurde schnell für gesund erklärt.

Noch heute habe ich ein ambivalentes Verhältnis zum Kranksein. In gewisser Weise genieße ich es immer noch.

In ihrem Buch „Leben Schreiben Atmen“ schreibt Doris Dörrie wundervolle kleine Geschichten und gibt Anregungen zum Selber Schreiben:

1. Schreib zehn Minuten ohne Pause. Am besten mit der Hand. Laß Dich treiben.
2. Denk nicht nach. (Wenn man zu viel nachdenkt, hört man prompt auf zu schreiben.) 
3. Kontrollier nicht, was du schreibst,. Mach Schreibfehler, Grammatikfehler, schreib Blödsinn.

Schreibe über das Essen in deiner Kindheit. Wer saß mit am Tisch?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.