Kindheit in den 50ern und frühen 60ern

Blick in unseren Hinterhof
Blick in unseren Hinterhof
Blick in unseren Hinterhof

Geprägt durch die Nachkriegszeit

Meine Kindheit war von der Nachkriegszeit geprägt. Nachkriegszeit, das bedeutete bei uns Armut, Trümmer, Gewalterfahrung in Schule und Familie, spießige Einengung. Der Krieg und seine Folgen waren noch allgegenwärtig.

Man war froh, den Krieg überlebt zu haben, trauerte aber vielfach den „guten“ Errungenschaften der Nazizeit nach. Das „Wirtschaftswunder“ hielt nur langsam Einzug, bei uns nur sehr langsam.

Im September 1944 war Darmstadt in einer Nacht in Schutt und Asche gefallen. Wir spielten in den Trümmern, die es überall um uns herum gab.

Familie

Wir waren vier Geschwister, außer mir eine ältere Schwester, ein jüngerer Bruder und eine „kleine“ Schwester, fünf Jahre jünger als ich. Zwei andere Schwestern, Zwillinge, waren beide kurz nach Kriegsende gestorben, noch bevor sie ein Jahr alt wurden.

Unsere Familie hatte einen alteingesessenen Handwerksbetrieb, mein Vater war Installateur- und Spenglermeister. Während der Nazizeit war er hauptberuflicher HJ-Führer und nach dem Krieg fand er mit dem Betrieb keinen Boden unter den Füßen.

Wir wussten damals oft nicht, wovon wir leben sollten. Als ich in die Schule kam, ging meine Mutter neben der Versorgung der vier Kinder (einschließlich Wäschewaschen ohne Waschmaschine) noch halbtags arbeiten. Erst Anfang der 60er änderte sich unsere Situation, als mein Vater bei den Amerikanern eine Stelle bekam.

Spielen

Das freie Spielen war die Kehrseite der Enge und Not. Wir durften überall spielen, soweit rausgehen, wie wir uns trauten. Trümmer waren eigentlich verboten, aber auch da galt, das man alles tat, was man sich traute, solange die Eltern nicht in Sicht waren und kein Erwachsener, der petzen konnte.

Auf dem Dorf

Ein anderer Teil meiner Kindheit spielte sich in einem Dorf ab. Aus Aumenau, einem kleinen Dorf an der Lahn kam meine Mutter und dort lebten meine Großeltern. ich war dort in fast allen Schulferien. Im ersten Schuljahr wurde meine Mutter krank und ich verbrachte ein Dreiviertel Jahr dort.

Jungschar

Mit 7 kam ich in die „Jungschar“. Die Zeit in der Evangelischen Jugend beeinflusste mein Leben außerordentlich. Jungschar war jeden Samstag um 3. Vorher ging’s in die Badewanne, die aus Zink. Sie wurde in der Küche auf zwei Stühle gestellt. Ziemlich schnell nach der Konfirmation, also mit 14 wurde ich dann schon selbst Jungscharleiter.

Schule

Mit 10 kam ich auf’s Gymnasium, für ein Kind aus einfachen Verhältnissen damals sehr ungewöhnlich. Ich spürte das sehr. nicht nur, dass ich eine andere Sprache lernen musste, das Hochdeutsche. Man spürte auch das Herabsehen der Lehrer und Mitschüler und immer wider war das Geld ein Problem.

Weiterlesen:

  • Episoden in den 50ern
  • Episoden in den 60ern
  • Leben in der Stadt
  • Leben im Dorf

1961: eine Mauer wird gebaut

1961 - Bundesarchiv
1961 – Bundesarchiv

Für heute¹ hat der rbb den „Zirkeltag“ ausgerufen. Die „Mauer“ in Berlin ist heute genauso lange weg wie sie gestanden hat, nämlich 28 Jahre, 2 Monate und 27 Tage. Anlass, meine Erinnerungen an die Mauer zu schreiben.

Am 13. August 1961 war ich in der Sexta, so hieß die 5. Klasse im Gymnasium damals. Wir mussten jeder ein besonderes Heft zur „Mauer“ und zum Leben in der „Sowjetisch Besetzen Zone“, der SBZ, anlegen. „DDR“ durften wir nicht sagen, später sagte man dann manchmal „Die Sogenannte DDR“.

In diesem Heft sammelten wir alles, was wir an Zeitungsartikeln oder ähnlichem finden konnten. Es sollte besonders schön geführt werden und wurde jede Woche eingesammelt. Ich weiß noch, dass ich einen Spottvers in Schönschrift hineinschrieb, den ich irgendwo aufgeschnappt hatte:

Keine Butter, keine Sahne –
auf dem Mond die Rote Fahne

Ein paar Tage nach dem Mauerbau begann die BILD-Zeitung die Tage zu zählen: „Schon soundsoviel Tage Mauer in Berlin“ las man da jeden Tag direkt unter dem BILD-Schriftzug. Tatsächlich hielt sie das dann ein paar Jahre durch. Irgendwann stellte sie das sang- und klanglos ein, man hatte sich an die Mauer gewöhnt.

Ich sah sie dann zum ersten Mal, als ich als Delegierter bei der Tagung der „Landesjugendkonvente“ der Evangelischen Jugend in Berlin war. Da traf man sich zunächst im Osten und Westen, um dann – heimlich natürlich – ein gemeinsames Treffen in Ost-Berlin zu haben.

Ich weiß nicht mehr, an welchem Übergang wir die Mauer passiert haben. Ich weiß nur noch, dass ich gefilzt wurde. Mein schöne Personalausweishülle wurde aufgeschlitzt, ob ich da irgendwas eingeklebt hatte.

Später war ich oft bei meinem Freund Peter, der in Kreuzberg in der Liegnitzer wohnte. Sozusagen um die Ecke saßen wir dann am Landwehrkanal und beguckten die Mauer.

¹ 5. Februar 2018

Meine Oma hätte heute Geburtstag gehabt. Eine Hommage.

Ich weiß gar nicht, wie alt meine Oma heute geworden wäre*. Irgendwann habe ich das Geburtsjahr vergessen und es gibt auch niemanden mehr, der es mir sagen könnte. Schon länger habe ich vor, einmal auf Ahnensuche mütterlicherseits zu gehen. Das kann ich jetzt als Rentner je einmal angehen.

Egal. Meine Oma ist jedenfalls im vorletzten Jahrhundert geboren. So lange ich sie kannte, trug sie schwarze Kleidung, zuhause den schwarz-weiß gepunkteten Kittel darüber. Wenn sie wegging, dann im schwarzen Kleid. Aber sie ging eigentlich nie weg, höchstens einmal zum Friedhof oder in die Kirche, wo sie dann natürlich bei den Frauen auf der rechten Seite saß und ich bei den Männern auf der linken Seite.

Meine Oma war die liebste Frau, die ich kannte. Mich nannte sie immer „Liebchen“. „Komm mal bei mich, mei Liebche“, sagte sie oft und dann drückte oder küsste sie mich. Von Ihr ließ ich es mir gefallen.

Ich war in den Ferien als Kind immer bei ihr. Einmal, ich war gerade in die Schule gekommen, lebte ich ein dreiviertel Jahr bei ihr. Meine Mutter war im Krankenhaus.

Da lebte mein Opa noch. Er hatte mich abgeholt, aber kurz darauf musste auch er ins Krankenhaus, nach Limburg. Er lag wohl länger da, denn ich erinnere mich, dass wir ein paarmal mit dem Zug dorthin gefahren und dann auf den hohen Berg gelaufen sind, auf dem das Krankenhaus lag. Es stank dort fürchterlich nach Krankenhaus, das war glaube ich damals so. Und ich bekam Malzbier zu trinken. Hat mir nicht geschmeckt.

Mit Opa und Oma habe ich jeden Abend gespielt. Mensch-Ärgere-Dich nicht. Vor allem meine Oma spielte gerne. Sie war eine Meisterin in Dame und Halma. Auch später hat sie mich fast immer geschlagen. Dann freute sie sich diebisch.

Als mein Opa starb, spielten wir nicht mehr. Es war abends furchtbar langweilig. Nach – es kam mir wie nach Jahren vor – fragte ich meine Tante heimlich, ob ich nicht mit Oma wieder spielen könnte. „Um Himmels willen“, sagte sie, „frag sie nur nicht. Dann muss sie an den Opa denken und das macht sie zu traurig“.

Aber ich habe trotzdem gefragt, als meine Tante nicht im Zimmer war. „Natürlich“, hat sie gesagt, und dann haben wir wieder gespielt. „Ach, das war schön“, sagte sie hinterher. „Das habe ich ja schon so lange nicht mehr gemacht. Ich glaube, seit Opa tot ist“. Traurig war sie nicht.

Sie lebte mit ihrem Sohn, seiner Frau und deren Tochter im Haus. Meine Mutter sagte einmal, die Tante würde unter dem Regiment meiner Oma leiden. Davon hatte ich nichts gemerkt. Außer vielleicht, dass Oma immer kochte.

Zu ihrem 70. Geburtstag bekam Oma von Klosterfrau Melissengeist eine große  Flasche Klosterfrau geschickt. Mit guten Wünschen. Mein Onkel hatte ihnen geschrieben, dass meine Oma jeden Tag ihr Gläschen trinke. Aber das war Arznei, das musste sie.Oma

Wenn ein schweres Gewitter kam, klappte Oma die Fensterläden zu, zog alle Stecker raus, schaltete das Licht aus und setzte sich mit uns Kindern unter den schweren Küchentisch. Da hatten wir dann fürchterliche Angst, dass der Blitz einschlagen könnte. Zum Glück war Oma dabei.

Als mein Neffe in Darmstadt geboren wurde, holte meine Schwester sie einmal nach Darmstadt. Das war das erste Mal nach vielen, vielen Jahren, dass sie aus ihrem Dorf kam. Als sie mit dem Auto durch ein Nachbardorf kamen, freute sie sich „Ach, hier bin ich noch nie gewesen“.

Nachdem mein Opa gestorben ist, durfte ich bei ihr im Ehebett schlafen. Erst habe ich mich ein bisschen geschämt, aber dann habe ich es gerne gemacht. Sie hatte ihr langes weißes Leinennachthemd an und ließ dann ihre Haare herunter. Sie war wohl nie beim Friseur gewesen, denn ihre Haare fielen in Locken herunter bis zur Erde.

„Meine Oma sieht aus wie ein Engel“, dachte ich.

Wenn es ihr gut ging, setzte sie ich auf die Bank vor das Haus unter die Weinranken. Ab und zu kam eine Nachbarin vorbei. Fritze-Goth oder auch mal Meurersch-Goth. Natürlich auch im schwarzen Kittel. Dann saßen sie eine Zeitlang nebeneinander auf der Bank.


  • Nachtrag ein Jahr später: sie wäre genau 130 geworden. Das Bild muss an ihrem 70. Geburtstag aufgenommen worden sein. Die Vorfahren konnte ich inzwischen bis 1650 zurückverfolgen.

Sankt Leonhard, Fritzepat und die Goil.

Heute ist Lenardi

Heute ist für einen Novembertag wunderbares Wetter. Und so soll das bis Weihnachten bleiben. Weil heute St. Leonhard ist. Zwar nur bei den Katholiken, aber die Wetterregeln gelten ja für alle:

Wie’s Wetter an Lenardi ist,
bleibt’s bis Weihnachten gewiss.

Leonhard lebte als Einsiedler in der Nähe von Limoges. Da regnet es, glaube ich, ununterbrochen. Jedenfalls jedesmal, wenn ich durch die Gegend gekommen bin.

Leonhard ist der Schutzpatron derer, die „in Ketten liegen“. Er besuchte nämlich regelmäßig Gefangene, erreichte oft ihre Freilassung und nahm viele bei sich auf. Schließlich war es sogar so, dass bei Gefangenen, die seinen Namen laut ausriefen, die Ketten barsten. Erzählt man.

Die Bauern haben ihn zu ihrem Schutzpatron, dem ihres Viehs und vor allem auch ihrer Pferde gemacht.

Nach der vielen Arbeit Schwere, an Leonhardi die Rösser ehre

Wohl nicht in der Hoffnung, dass das Vieh befreit wird, sondern eher, weil sie eng mit ihrem Vieh verbunden waren.

Vor Unglück, Seuche und Gefahr,
St. Leonhard unser Vieh bewahr!

Im Dorf meiner Kindheit gab es neben den Bauern, die mit ihren Pferden aufs Feld fuhren, auch Bauern, die noch Ochsenkarren hatten. Dass Pferde Wagen zogen, fand ich normal. Obwohl ich sie manchmal bei hochbeladenen Wagen, wenn wir noch obendrauf saßen, bedauerte.

Aber die Ochsen taten mir leid. Die hatten nämlich – daher kommt der Ausdruck – „ein Brett vorm Kopf“ und schoben mit ihrer harten Stirn den Wagen eher als sie ihn zogen.

Auf den beiden Nachbarhöfen hatten die Bauern auch Pferde. „Fritzepat“ behandelte seine Pferde gut, „Hannesepat“ seine nicht so gut.

Aber Fritzepat hatte als allererster im Dorf einen Traktor. Der stand auf dem Hof unter einer Schutzplane.

Als ich ihn einmal fragte: „Pat, warum nimmst du nie deinen Traktor, wenn du aufs Feld fährst?“, antwortete er: „Waasde, an dere aale Goil kann eich naud mehr kaputtfahre“
(An den alten Pferden kann ich nichts mehr kaputtfahren).

Er war halt auch schon ein alter Bauer und zusammen waren seine Goil und er lange aufs Feld gefahren. Warum sollte er daran etwas ändern?

Kinderherzen

Dieser Tage kam in Landshut ein Zehnjähriger zur Polizei und wollte sich selbst anzeigen. Weil er in einer Rechenarbeit eine 5 hatte und das zuhause nicht erzählen wollte, hatte er die Unterschrift seines Vaters gefälscht.

Beim Lesen überkam mich großes Mitleid. Das gleiche „Verbrechen“ habe ich auch begangen. Weiterlesen

Muttersprache in der Vaterstadt. – Vunn de Motterspraach in de Vadderschdatt

Heute ist „Tag der Muttersprache“.  An den meisten Menschen geht er ja vorbei, ohne sie anzusprechen – weder in Muttersprache noch Vatersprache noch Fremdsprache noch sonst irgendwie.

Sollte er aber nicht.

Es geht mir wie vielen wahrscheinlich: meine „Muttersprache“ ist nicht die Sprache meiner Mutter, sondern eher die meines Vaters. Meine Mutter kam aus einem Dorf gute 100 km entfernt und da wurde eine ganz andere Sprache gesprochen als in Darmstadt, meiner Vaterstadt.

Beides liegt zwar in Hessen, aber Darmstadt in Südhessen und das Dorf meiner Mutter liegt an der Lahn und zwar der nördlichen Seite. Just dort verläuft eine Sprachgrenze. In diesen Dörfern an der Lahn wird ein Platt gesprochen, das „Mittelhessische“, das mit dem in Südhessen gesprochenen „Rheinfränkischen“ absolut nichts zu tun hat.

Ich bin also zweisprachig und – rechnet man das Hochdeutsche, das ich aus den Büchern kannte, aber nicht sprach – hinzu, dreisprachig.

Darmstädter Heiner reden nicht, sie „hoinern“ unn schwäzze von Geburd aa drei Sprache: dumm, schlääschd unn gebroche Deitsch. Das waren also die Vatersprachen, mit denen ich aufgewachsen bin und die ich bis heute beherrsche.

Eine Kostprobe davon werde ich wieder am Fastnachtssonntag geben, wenn es bei der Predigt heißt: „Kersch mal annersder“.

Die Sprache meiner Mutter – die sie allerdings bei uns zuhause nie sprach – konnte ich zwar gut verstehen, aber nie sprechen.

Wo es in Darmstadt hieß „Ich hobb mer zwaa Ebbel genumme“, hieß es dort „Aich hunn mir zwie Äppel genemmt“. Mädchen waren Madschers, immer mit „’s“ apostrophiert, Jungen trugen keine Hosen, sondern Buxe und darunter Innerbuxe, die Tante war die Goth und der Onkel der Petter. Also eine fremde Welt.

Mein Vater heinerte zwar auch, wurde aber immer böse, wenn ich zu sehr Darmschdädderisch babbelte. Zum Beispiel korrigierte er regelmäßig, das hieße nicht „die Abodehsch“, sondern „die Apotheke“ und es sei auch kein Gleewer, sondern Klebstoff.

Aber er hielt fest daran, dass Kinder „Schebbe“ sind, was meine Oma mütterlicherseits stets auf die Palme bracht: „Seid frou, dass eier Kinn grod gwachse soin“. (Schebb=schief; Kinn=Kinder)

Meine Tochter kann es nicht leiden, wenn ich Mundart rede. „Das klingt so ordinär bei dir“, meint sie.

Wenn Sie mal etwas ins Südhessische übersetzen wollen, können Sie das hier – Woannse mol ebbes ins Siedhessische iwwersedse wolle, kenne Sie des do!

Unn wenn se aan mol schenne wolle, kennnese sich des do aussuche. Net von mir, awwer alles Ausdrigg, die ich schon an de Kopp geschmisse kriegt hab.

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Ich wollt, ich wär‘ kein Kaktus – Szenen einer schlimmen Kindheit

Haben Sie schon mal einen Kaktus geküsst? Naja, da war damals noch gar nicht daran zu denken. Aber haben Sie schon mal mit einem Kaktus gespielt? Ich meine natürlich, ohne ihn vorher rasiert zu haben? Was kann man mit einem Kaktus machen? Hinstellen und angucken, mehr nicht.

Irgendwann als Kind war ich an Fassenacht ein Kaktus. Ein wunderschönes Kostüm: nicht nur ein Hut mit einem Kaktus drauf, sondern aus einem Drahtgestell gefertigt ein Ungetüm von Kaktus um mich herum. Alle haben mich bewundert. Ich meine jetzt, alle Erwachsenen. Die Kinder haben mich ausgelacht. Die waren alle Cowboys und Indianer. Ich meine jetzt, die Jungen. Die Mädchen hab ich vergessen, die waren Prinzessinnen wahrscheinlich.

Am Fastnachtsdienstag, das war in Darmstadt eindeutig der Hauptfastnachtstag, sind alle verkleidet in die Schule gekommen. Fräulein Käthler hat mich auf einen Stuhl gestellt, dass alle mich sehen konnten. Das war mein schönstes Fastnachtserlebnis.

Nein, jetzt ehrlich: es war furchtbar. Aber wahrscheinlich hab ich mich zuhause so bitter beschwert, dass ich nie mehr Kaktus sein musste. Sehr viel besser ist es dadurch aber nicht geworden, jedenfalls, was die Kostüme anbelangt. Mein Vater war nämlich ein begnadeter Faschingskostümschneider. Meistens hat er mir Offizierskostüme genäht, original großherzoglich. Weil er als alter Darmstädter noch ein glühender Verehrer unseres Großherzogs war. Den haben alle Darmstädter verehrt, weil ihn jeder kannte und er wohl sehr volkstümlich gewesen sein soll.

Aber viel lieber wär ich einmal Cowboy geworden. Das fand mein Vater aber ganz und gar unmöglich. Erstens, weil er was gegen Schießen hatte; ich durfte nicht einmal eine Pistole haben. Zweitens hatte er auch was gegen die Amis. Er meinte immer: „Cowboys“ sind doch nur Kuhjungen. Getröstet hat mich das nicht.

Sie sehen, ich hatte eine schlimme Kindheit. Wie kommt es eigentlich, dass die Fassenacht für uns trotzdem die schönste Zeit des Jahres war – Heiligabend mal ausgenommen?

In der Brusttasche zu tragen: die Mundorgel wird 60

Haargenau in die Brusttasche der „Kluft“ passte die Mundorgel, die immer dabei sein musste. Schließlich gehörte „Singen“ selbstverständlich zum „Vierklang“ jeder Gruppenstunde: Singen – Spielen – Erzählen – Andacht.

In meinem Bücherschrank findet sich noch ein Exemplar aus den frühen 60er Jahren und eines von 1970.

Mundorgel

Dieses Jahr wird sie 60. Otmar Schulz hat dazu eine schöne Sendung im Deutschlandfunk gemacht, die ich hier mit dessen Erlaubnis wiedergeben kann.

Sendung „Und wie die Alten sungen“

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