Ausländisch essen gehen

Am Sonntag gab es drüben in meiner Sonntagsküche mal wieder „ausländisches“ Essen. Das ist heute ja nichts Besonderes mehr. Eher im Gegenteil: der Trend geht in Richtung „Regionale Küche“. Aber Anlass für mich, mal über die Geschichte des „ausländischen Essens“ zu schreiben.

Meine Eltern weigerten sich lange, „ausländisch essen“ zu gehen. Gut, man ging überhaupt selten auswärts essen. Der Inbegriff von „schön essen gehen“ war eigentlich der Wienerwald mit seinem genialen Werbespruch

Am Sonntag bleibt die Küche kalt,
da geh’n wir in den Wienerwald

Meine Mutter liebte es hingegen, ins Café zu gehen. Natürlich behielt sie immer den Hut auf, wie es sich für die Damen von Welt gehörte. Und natürlich hatte sie in der Handtasche einen praktischen Haken, um selbige Handtasche stilsicher an den Tisch hängen zu können.

Wenn sie mich mit „in die Stadt“ nahm, um etwas für mich einzukaufen, wusste ich schon, dass wir anschließend bei Kaufhof oder Henschel & Ropertz ins Cafè gingen. Das gehörte sich so, auch wenn wenig Geld da war.

Es war wohl Ende der 60er Jahre, dass wir die Beiden zum ersten Mal zu einem gemeinsamen Besuch eines „Italieners“ überreden konnten. Lange hatten wir ihnen vorgeschwärmt, wie gut so eine Pizza sei, die sie selbstredend noch nie gegessen hatten.

Die ersten Italiener

Dabei hatten wir in Darmstadt das Glück, schon früh eine eine vergleichsweise große Anzahl an „Pizzerias“zu haben. Und bei einigen gab es ausgezeichnete Pizze für billiges Geld. Wie zum Beispiel beim „Prinz Heinrich“ oder beim „Alten Rehberger“. Traditionslokale, die früh von einem Italiener übernommen wurden.

Was soll ich sagen: die Pizza beim Alten Rehberger hat ihnen wirklich geschmeckt. Nicht schön fand Mutti, dass ich sie überredete, doch auch mal diese kleine grüne Bohne zu probieren, die sich dann als Peperoni entpuppte, auch etwas, was sie noch nie gesehen geschweige denn geschmeckt hatte. Sie hat mir fast ein bisschen leid getan.

Italiener kamen ab 1955 nach Deutschland. Da hatte Adenauer mit Italien ein „Anwerbeabkommen“ geshlossen und mit den Italienern kamen die ersten „Gastarbeiter“. Viele arbeiteten im Gaststättengewerbe. Mit der Zeit gründeten einige eigene Restaurants, vor allem aber in den 70er Jahren, als eine Welle der Arbeitslosigkeit kam. Viele hatten den Beruf nicht gelernt.

Irgendwann wurde klar, dass die meisten „Gastarbeiter“ nicht in ihre Heimatländer zurückgingen und aus „Gastarbeitern“ wurden Migranten und schließlich Deutsche.

Die Vorläufer

Ungarische Küche

Später kam eine Erinnerung hoch, dass wir doch einmal ausländisch gegessen haben. Ich musst extra nachforschen, ob das stimmte oder ob ich mich täuschte. Und ja. Es gab in „St. Stephan“ ein ungarisches Lokal., bei dem wir im Garten gesessen und irgendetwas mit Paprika gegessen hatten.

Mitte der 50er Jahre war in Darmstadt die Siedlung „Sankt Stephan“entstanden, in der Vertriebene aus Ungarn angesiedelt wurden. Sie erhielten dort für je zwei Familien Platz für ein kleines Häuschen, das mit erheblicher Eigenhilfe gebaut wurde. Dazu gab es auch ein Stück Land, auf dem für die kärgliche Selbstversorgung Schweine gemästet und Mais, Kartoffeln und eben Paprika angebaut wurden. Bis dahin war das nahezu unbekannt, aber so gab es auf dem Darmstädter Wochenmarkt eben auch früh schon Paprika zu kaufen.

Die Siedlung lag neben dem ehemaligen Militärflugplatz auf dem „Griesheimer Sand“, wo mein Vater bei Stars & Stripes arbeitete. Kollegen von ihm hatten ihm wohl vorgeschwärmt, wie gut man dort essen konnte.

Die Jugoslawen

„Balkan-Grills“ waren mit die ersten ausländischen Gaststätten, manche wurden schon Anfang der 50er Jahre von displaced persons, heimatlosen Ausländern nach dem Krieg gegründet.

Ich erinnere mich aber nicht, dass es in Darmstadt früh einen „Jugoslawen“ gab. Erst mit zwanzig war ich beim ersten „Jugoslawen“, wie sie damals noch alle hießen.

Ich war damals Praktikant in der Hessischen Jugendbildungsstätte Dietzenbach und das Team fuhr oft abends noch essen. Eines der Ziele war der Jugoslawe in Offenbach hinter der Berliner Straße. Rechts und links der Eingangstür ging es in zwei große Säle, alles wie oft damals bei den Jugoslawen in Nischen aufgegliedert. Ich aß einen flabierten Spieß. Sowas hatte ich noch nie gesehen. Später bin ich noch ein paarmal da gewesen, jetzt gibt es das Lokal schon lange nicht mehr. „Dubrovnik“ hieß es glaube ich.

Die Chinesen

Aber kaum zu glauben: schon als Schüler war ich bei einem Chinesen essen. Die Geschichte dazu ist auch unglaublich.

1969 war das Jahr, in dem wir in Darmstadt die „Theologie der Revolution“ verkündeten. Wir tingelten mit dieser Botschaft durch die Gemeinden. Der Leiter eines evangelischen Altenwohnheims lud uns ein, einen Gottesdienst dort zu halten. Die Alten fanden das ziemlich exotisch und zum Dank lud uns der Diakon zum Mittagessen zum ersten Darmstädter Chinesen ein.

Chinesische Gaststätten hatten in Deutschland eine längere Tradition, alle Betreiber kamen aus einigen Familien aus der Provinz Zheijang. Hinzu kamen später Küchenkräfte aus Hongkong.

Das zweite Chinesische Restaurant lernte ich 1972 in Marburg kennen, ein paar Häuser über der Theologischen Fakultät neben dem legendären Cafè Vetter, das es im Gegensatz zu dem Chinesen immer noch gibt. 1972 übernahm ich mit einem Freund den Vorsitz im landeskirchlichen Studierendenkonvent und natürlich musste die Übergabe durch den alten Vorstand auf Kosten der Landeskirche stilvoll begangen werden. Das Essen dort war außerordentlich gut und dank de hessen-nassauischen Kirche außerordentlich billig.

Die Griechen

Kaum hatte ich den Führerschein, fuhr ich 1969 mit einer „Sendgruppe“ der Evangelischen Jugend mit einem VW-Bus zu unserer Patenschule nach Nord-Griechenland, hoch über die Gebirgspässe Österreichs musste man noch und dann den Autoput runter. Da lernte ich die griechische Küche kennen und lieben. Glücklicherweise gab es bis dahin dann auch in Darmstadt einen Griechen. Meist aß ich Souvlaki, wunderte mich, dass das etwas anderes war als in Griechenland, aber es schmeckte. Dazu natürlich Retsina getrunken, schließlich war ich in Griechenland.

Anfang der 70er machte dann auch in Neu-Kranichstein ein Grieche in einer Holzbaracke auf.

Internationale Küche in Deutschland

Internationale Küche gab es in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg fast nicht. Im Nationalsozialismus wurde auch hier gleichgeschaltet. Fast nur in der Nähe angrenzender Länder gab es entsprechende Lokale, in Hamburg und Schleswig-Holstein skandinavische Küche, in Rheinland-Pfalz und im Saarland französische Küche, in Bayern österreich-böhmische und damit auch ungarische Küche – wobei die Ausnahme natürlich auch hier die Regel bestätigt.

Vor dem Dritten Reich gab es dagegen durchaus schon internationale Restaurants oder eben meist Restaurants mit internationaler Küche – natürlich vor allem in den ganz großen Städten, allen voran Berlin und Hamburg.

Kaum bekannt ist, dass die Eröffnung von Gaststätten in Deutschland nach dem Krieg sehr streng geregelt war. Es gab ein „Bedürfnisprinzip“, das die vorhandenen Gaststätten schützen sollte und erst 1970 bundesweit aufgehoben wurde. Aber vor allem war es für „Gastarbeiter“ schwer, eine Genehmigung zu bekommen. Für Nicht EWG-Angehörige war eine Gaststättengründung lange nahezu unmöglich.

Aus einem Wechselspiel zwischen Migration und Urlaubserfahrungen der Deutschen entwickelten sich dann Spezialitätenrestaurants.

Die Spanier

Die ersten Urlaubserfahrungen im Ausland machten die Westdeutschen in Italien und Spanien. Außer Österreich natürlich, aber das galt ja fast nicht als Ausland. Trotzdem gab – und gibt es – vergleichsweise wenige spanische Restaurants. Eine Ausnahme machte das Las Palmas in Darmstadt, wohin mich ein Freund 1971 führte. Auf ein Chateubriand, gar nicht spanisch.

Mit Spanien hatte die Bundesrepublik erst 5 Jahre nach Italien ein Abkommen geschlossen, aber immerhin schon 1960, ein jahr später dann mit Griechenland und auch schon mit der Türkei. Aber wie gesagt: dass die Menschen kommen durften, bedeutete mitnichten, dass sie auch Lokale eröffnen durften, das kam erst mit der Zeot.

Mit dieser Entwicklung hängt auch zusammen, dass viele Lokale der Anwerbenationen nicht von Fachkräften eröffnet wurden, sondern von Menschen, die – aus welchen Gründen auch immer – sich selbständig machen wollten oder mussten. Weil sie oft keine Bankkredite bekamen, waren sie auf Abkommen mit Brauereien angewiesen, die immer mit einem Mindestumsatz der jeweiligen Marke verbunden waren. Das führte oft in eine Schuldenfalle. Beides trifft aber auch für die einfachere Gastronomie überhaupt zu.

Die Türken

Das erste Mal türkisch essen war ich Anfang der 70er im „At Nali“ auf der Rutschbahn in Hamburg, vielleicht dem ersten türkischen Lokal in Deutschland überhaupt, ein tolles Lokal im Univiertel Rotherbaum, in dem sich alles traf. Der Wirt, Ali Riza Kaya, war auch der erste, der in Deutschland ein türkisches Kochbuch herausgab.

Türkisch essen zu gehen und damit meine ich jetzt, gut türkisch essen zu gehen ist in Deutschland aber immer noch fast unbekannt – für die meisten Mitmenschen beshränkt sich die Kenntnis der Türkischen Küche auf den Döner, weil der bekannterweise schöner macht.

Was ich sonst noch kennenlernte (in Deutschland)

Indische Küche in Amsterdam um 1970
MacDonald in Amsterdam um 1972 (dem ersten in Europa)
Böhmische Küche in Frankfurt um 1977
Japanische Küche bei einem Edeljapaner in Düsseldorf 1982
Portugiesische Küche in Darmstadt um 1990
Kreolische Küche in Frankfurt um 1990
Südkoreanische Küche in Frankfurt um 2000

und weiß nicht was noch alles.

Leben Schreiben Atmen

So heißt ein Buch von Doris Dörrie, in dem sie anleitet, die eigene Lebensgeschichten zu schreiben.

Darin schreibt sie selbst wunderbare kleine Geschichten und rät:

Der Schlüssel zum Schreiben ist, nicht nachzudenken, um die Inspiration nicht zu unterbrechen, Probier es aus. Schreib los. Jetzt!

Dafür drei Regeln:

1. Schreib zehn Minuten ohne Pause. Am besten mit der Hand. Laß Dich treiben.
2. Denk nicht nach. (Wenn man zu viel nachdenkt, hört man prompt auf zu schreiben.) 
3. Kontrollier nicht, was du schreibst,. Mach Schreibfehler, Grammatikfehler, schreib Blödsinn.

Ich habe nicht sofort angefangen. Erst einmal habe ich ein paar Abende in ihrem Buch gelesen. Aber jetzt geht es los.

Der Mann im Mond, der hat es schwer…

sang Gus Backus schon 1961.

Der Mann im Mond
Der hat es schwer
Denn man verschont
Ihn heut‘ nicht mehr
Er schaut uns bang
Von oben zu
Und fragt:
„Wie lang‘
Hab‘ ich noch Ruh‘?“

Acht Jahre später war es dann soweit, dass Neil Armstrong (und kurz nach ihm Buzz Aldrin) als erste Menschen den Mond betreten.

Wir saßen unten in im Zelt und guckten zu.

Wir – das waren die Jungen im Jungscharzeltlager des Evangelischen Stadtjugendpfarramtes Darmstadt. Ich – 18 jährig – war als Helfer dabei.

Wir konnten zugucken, weil Heinrich Hallenberger als Stadtjugenddiakon die im nachhinein geniale Idee hatte, einen Generator aufzustellen.

Das war eine Zeitenwende. Strom hatten wir bis dato noch nie in einem Zeltlager, wir wären auch nie auf die Idee gekommen. In den Zelten wurde nachts eine Petroleumlampe angezündet, im Lager brannte die ganze Nacht das Lagerfeuer.

Von einem Elektrogeschäft bekam Hallenberger ein für die damalige Verhältnisse riesigen Fernseher geliehen, natürlich in Schwarz-Weiß. Das Farbfernsehen gab es zwar immerhin schon zwei Jahre, aber so etwas war noch teuer und unausgereift.

Fernsehgerät in den 60ern – natürlich das rechte.

Und so durften 40 8-14 jährige länger aufbleiben, saßen nachts gebannt vor der Kiste und sahen erstaunt, dass Neil Armstrong gar nicht ging, sondern eher hüpfte.

Das Mondfoto habe ich am 16. Juli fotografiert während der Partiellen Mondfinsternis.

Wie hat uns die Burg verbunden, unvergessen jeder Tag…

So begann ein Lied, das wir manchmal auf Fahrt gesungen haben. Zum Beispiel bei unserer Rheinhöhenwanderung in den frühen 60ern.

Wir wanderten von Oberwesel nach Bingerbrück, eine Station war die Jugendburg Stahleck in Bacharach.

Jugendburg Stahleck
(Foto: Sir Garwain/Wikimedia)

Nicht bewusst war mir bei unserer letzten Lahnwanderung, dass Burg Balduinstein die Jugendburg des Nerother Wandervogels ist (betrieben vom „Freien Bildungswerk“).

Jugendburg Balduinstein
(Foto Hermann Hammer/Wikimedia)

Viele Male war ich mit Konfirmanden auch auf der Jugendburg Rieneck der Christlichen Pfadfinder am Main.

Jugendburg Rieneck
Foto: © JD (de.wikipedia.org)

„Jugendburgen“ sind mittelalterliche Burgen, die seit der Jugendbewegung im Laufe des 20. Jahrhunderts als Begegnungstätten umgebaut wurden. Davon gibt es in Deutschland 23.

Am bekanntesten ist vielleicht Burg Waldeck durch die legendären Waldeck-Festivals, die erste Open-Air-Festivals Deutschlands.

Jugendburg Waldeck
© CEphoto, Uwe Aranas

Ende der 60er kam ich dann zum ersten Mal auf „unsere“ Jugendburg, Burg Hohensolms, ein paar Kilometer von hier.

Jugendburg Hohensolms
(Foto: Solmesius / Wikimedia)

Heute bin ich dort im Vorstand des „Freundeskreises Hohensolms“.


Eine Reise in meine Vergangenheit: Besuch im Archiv der Jugendbewegung

Letzte Woche unternahm ich eine kleine Reise in einen wichtigen Teil meiner Vergangenheit.

Wir besuchten die Jugendburg Ludwigstein im Werratal. Ludwigstein ist „die“ Burg der Jugendbewegung. Sie wurde 1920 gekauft und von den den Bünden der Jugendbewegung zur Jugendburg und zum „Erinnerungsmal für die im 1. Weltkrieg gefallenen Kameraden“ erbaut.

Heute arbeiten dort das „Archiv der Deutschen Jugendbewegung“, inzwischen Teil des Hessischen Staatsarchives , eine Jugendbildungsstätte und die Burg als Begegnungs- und Tagungsstätte. Sie ist Sitz des „Rings Junger Bünde“, in dem sich viele Nachfolgeorganisationen der Jugendbewegung zusammengeschlossen haben.

Burg Ludwigstein
Burg Ludwigstein
Blickt rüber zum Hanstein
Die gegenüberliegende Burg Hanstein lag schon in der DDR
Auf der Burg finden sich die alten Symbole
Mit dem Wandervogel begann die Jugendbewegung
Aus grauer Städte Mauern…
Historisches
Halstücher sauberlich im Archiv…
… und in meinem Arbeitszimmer

Dass Halstuch, Knoten und Koppel noch in meinem Zimmer hängen, zeigt wie wichtig für mich die Evangelische Jugend war.

Wie ich dorthin kam, habe ich hier beschrieben.

Wir gehörten nicht zur Bündischen Jugend, waren Teil der verfassten Kirche. Aber wir betrachteten uns durchaus als Nachkommen der Jugendbewegung.

Zeltlager, Wander- und Trampfahrten, Abende am Lagerfeuer und viele viele Lieder verbanden uns.

In den 6oer Jahren blühten die Jugendbünde neu auf, neben den „Jugendverbänden“ gab es auch alte Bünde: die Nerother, die Freischar, die d.j.1.11., den Bund Deutscher Jungenschaften und wie sie alle hießen, Wir trafen uns bei Zeltlagern und Treffen des Stadtjugenrings.


Die „Christdeutschen“

Hohensolms entstand als Jugendburg des „Bundes Christdeutscher Jugend“. Mein Vater gehörte zu den Christdeutschen, bis sie 1933 in die HJ überführt wurden.

„Was für ein Name“ wirst Du jetzt denken. Und hast teilweise, aber nur teilweise, Recht.

Der Name „Christdeutsch“ zeigt, wem sich dieser Bund verpflichtete: dem Christlichen und dem Deutschen. Bewusst wurde das „Christ“ an den Anfang gestellt, es sollte an erster Stelle stehen – in der Konsequenz sind die Christdeutschen später zur Bekennenden Kirche gestoßen.

Nicht ohne erbitterte Auseinandersetzungen und viele, die sich abwandten.

Aber da stand eben auch das „Deutsch“. Dahinter stand wie nahezu der gesamten Jugendbewegung völkisches Gedankengut, vielleicht die Gruppen der Arbeiterjugend ausgenommen.

Der „Freundeskreis Hohensolms“ ist sozusagen die Nachfolgeorganisation der Christdeutschen. Weil Teile unseres Archivs an das Ludwigsteiner Archiv abgegeben wurde, sind wir dorthin gefahren, um ein wenig in unseren alten Unterlagen zu stöbern.

Wie hat uns die Burg verbunden!
Unvergessen jeder Tag,
unvergeßne Abendstunden,
da das Land im Traumlicht lag!

Steht noch einmal auf dem Felsen,
blickt ins Tal, wie sich’s gebührt,
wo der Strom im Weiterwälzen
seine Strudel mit sich führt.

Lieder, die wir hier gesungen,
Fragen, die wir hier gefragt,
und was innen mitgeklungen,
ungefragt und ungesagt,

laßt es uns getreu bewahren,
all das leise Überein!
Wer wie wir das Glück erfahren,
kann nie wieder glücklos sein.


Manfred Hausmann


Eines unserer Lieblingslieder auf unseren Fahrten:

Trampen wir durchs Land


Fortsetzung folgt: Die „dunkle Seite“ der Jugendbewegung

Von Auschwitz aus erlebt: Invasion des Warschauer Paktes in die CSSR

Heute, am 21. August 2018, jährt sich zum 50. Mal die Besetzung der damaligen CSSR durch die Staaten des damaligen Warschauer Paktes.

Prager Einwohner vor sowjetischem Panzer
Prager Einwohner vor sowjetischem Panzer

Die DDR war an diesem Einmarsch nicht beteiligt. Nicht, weil sie nicht gewollt hätte, sondern weil sie nicht durfte. In Moskau wollte man nicht die Erinnerung an deutsche Besatzung provozieren. Die DDR-Führung empfand das als Diskriminierung und erfand Berichte über Mitwirkung der NVA (Nationale Volksarmee). Weiterlesen

Freunde im Milieu

Wenn Sie mich mal besuchen kommen,

sehen Sie im Flur als erstes eine Krimilandkarte. Da finden Sie über 200 Ermittler in ganz Europa drauf.

Alle kenne ich sie nicht, aber viele meiner besten Freunde sind darauf. Mit einigen von ihnen gehe ich seit Jahren immer mal wieder ins Bett.

Ich rede natürlich vom Krimimilieu und von Freundinnen und Freunden, die ich nur aus Büchern kenne. Aber das kann auch sehr intim sein.

Einigen begnadeten Krimiautorinnen und -autoren bin ich für diese Freundschaften von Herzen dankbar.

Zu ihnen gehört auf jeden Fall Maj Sjöwall,

Sie ist heute, am 25. September, vor 75 Jahren geboren.

Maj Sjwöwall war die, die mir zusammen mit ihrem Mann Per Wahlöö die Liebe zum Krimi lehrte.

Vorher kannte ich eigentlich nur Enid Blyton aus meiner Kindheit, Jerry Cotton aus meiner Jugendzeit und Edgar Wallace. Vielleicht hatte ich auch schon einmal etwas von Agathie Christi gelesen.

Aber der erste Roman von Sjöwall/Wahlöö war eine Offenbarung. Irgendwann Mitte der 70er Jahre wird das gewesen sein und wenn ich mich richtig erinnere „Der Tote im Götakanal“. Das war Literatur vom Feinsten, spannend und sozialkritisch.

Inzwischen liest jeder Krimis, in den Buchhandlungen muss man sich durch Berge durchwühlen und Sjöwall/Wahlöö sind längst in Vergessenheit geraten.

Wer denkt schon an die beiden, wenn er im Fernsehen „Kommissar Beck“ sieht?

Per Wahlöö ist leider viel zu früh bereits vor 35 Jahren verstorben.

Krimis ganz anderer Art schrieb Cornell Woolrich

Der ist heute, am 25. September, vor 42 Jahren gestorben. Cornell Woolrich war einer der ganz Großen der 40er und 50er Jahre neben Raymond Chandler und Dashiell Hammet.

Woolrich schrieb vor allem „schwarze“ Krimis. In „Noir-Krimis“ ist die Welt nicht wiederhergestellt, wenn das Verbrechen aufgeklärt ist. Es bleibt die düstere Stimmung, in die alle verstrickt sind, weil die Welt böse ist.

Einige von Woolrichs Romanen wurden hervorragend verfilmt, z.B. „Das Fenster zum Hof“ von Alfred Hitchcock, „Die Braut trug schwarz“ und „Das Geheimnis der falschen Braut“ von François Truffaut.

Freunde im Milieu hatte auch der Onkel eines Freunde von mir

In Darmstadt gab es früher nur 3 Lokale, die nach 1 Uhr nachts noch offen sein durften. In einem sind mein Freund und ich eines Morgens eingekehrt.

Wir wussten nicht wirklich, dass dort das „Milieu“ verkehrte, aber nach 1 war damals in Darmstadt kein anständiger Mensch unterwegs.

Welche Freude, als wir den Onkel meines Freundes dort an der Bar sitzend antrafen. Der gehörte nun überhaupt nicht zum Milieu, sondern war im Gegenteil Leiter der „Sitte“.

Zusammen mit seinen Bekannten erlebten wir einen unterhaltsamen Morgen. Damit Sie nichts Falsches denken: nur an der Bar sitzend und die Hände am Bierglas.

Welche Ernüchterung, als besagter Onkel später wegen Bestechlichkeit vor Gericht stand.

Kalenderblatt: Und fährt und fährt

Mein erstes Auto war natürlich ein Käfer. 1969 habe ich ihn von Herrn Stratmann für 300 Mark gekauft. Er war Baujahr 1953 und ich nannte ihn Asterix. Er war natürlich grau wie alle Käfer.

Asterix war kein Brezelkäfer. 1953 war nämlich das bis dahin geteilte Rückfensterchen durch ein ungeteiltes ovales Fensterchen ersetzt worden.

Asterix hatte noch Winker. Aber seit 1963 waren Blinker gesetzlich vorgeschrieben. Die hatte man nachgebaut. Als ich später einmal einer Freundin (1964 geboren), erzählte, in meiner Kindheit hätten die Autos Winker gehabt, war die Reaktion: „Du verarschst mich doch“.

Winker

Asterix hatte etwas, was ich an modernen Autos vermisse: einen Reservetank. Wenn das Benzin auszugehen drohte, was man am beginnenden Stottern des Motors merkte, musste man versuchen, blitzschnell mit dem Fuß vom Gaspedal weg einen kleinen Schalter im Fußraum umzudrehen. Dann wurde auf „Reserve“ umgeschaltet und man konnte noch einige Kilometer fahren.

Benzin einfüllen war etwas schwierig. Der Tank befand sich nämlich im Kofferraum, der sich wiederum unter der Kühlerhaube befand. Wollte man wirklich einmal verreisen, musste man zum Tanken erst das Gepäck ausräumen.

Asterix war noch nicht synchronisiert. Höherschalten war noch einfach, relativ. Man musste dazu auskuppeln, den Gang einlegen und wieder einkuppeln. Das war „Zwischenkuppeln“. Runterschalten war eine Kunst. Man musste auskuppeln, blitzschnell die richtige Menge Gas geben und wieder einkuppeln. Das war „Zwischengas“

Die ersten Tage waren peinlich. Selten gelang mir die richtige Gasdosierung und es krachte fürchterlich. das Gaspedal war übrigens ein Rädchen.

Asterix hatte nur eine 6-Volt-Lichtanlage, das war nachts nicht sooo hell. Eines Tages war die Armaturenbeleuchtung ausgefallen, seitdem orientierte ich meine Geschwindigkeit nachts an dem blauen Fernlichtlämpchen, das in der Mitte des Tachos bei Fernlicht leuchtete. Dann durch ich 50 Stundenkilometer. Nur durch Zufall entdeckte ich dann, dass es einen Drehknopf für die Armaturenbeleuchtung gab. Ich war entzückt über das hochmoderne Auto.

Leider fährt Asterix nicht mehr.

Heute, am 3. Juli, vor 75 Jahren wurde der erste Käfer vorgestellt.

42 Jahre kein Notstand ausgerufen.

42 Jahre kein Notstand ausgerufen

Wir waren damals sicher, das stünde kurz bevor. Wofür sonst wollten „die“ die Notstandgesetze verabschieden. „Die“, das waren SPD und CDU („SPD und CDU – lasst das Grundgesetz in Ruh“, „Wer hat uns verraaaten – Sozialdemokraaten. Wer schaut zu – CDU“) und deren Rädelsführer Benda („Bendaaaa – wir kommmmmen“).

Heute, am 30. Mai, vor 42 Jahren wurden von der Großen Koalition die „Notstandsgesetze“ verabschiedet. 28 der damals 145 Artikel des Grundgesetzes wurden damit eingeschränkt, verändert oder aufgehoben.

Immerhin wurde ein Absatz 4 in Artikel 20 des Grundgesetzes eingefügt

Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist.

Knapp 3 Wochen vorher, am 19. Mai, war ich als damals 17jähriger nach Bonn gefahren. Beileibe nicht die erste Demo meines jungen Lebens – dafür war in den Monaten zuvor zuviel geschehen – aber bis dato die größte und aufregendste.

Das Kultusministerium hatte uns Schülern natürlich die Teilnahme an der Demonstration verboten. Aber wohl fast alle Schüler der Oberstufe fuhren nach Bonn. 3 Lehrer fuhren auch mit. Ein Vater eines Freundes – Pfarrer in Darmstadt – hat 3 von uns in seinem alten VW mitgenommen. (Gerne erinnern wir uns daran, wie er spätabends in Darmstadt volle Pulle die Autobahnausfahrt nahm und wir ins Grüne schlitterten. Passiert ist nichts.)

Am eindrücklichsten sind mir die langanhaltenden Rufe „Generalstreik! Generalstreik“ in Erinnerung. Dass es die nicht gab – im Gegensatz zu Frankreich, wo 6 Tage zuvor die französichen Gewerkschaften den Generalstreik ausgerufen hatten – war eine große Enttäuschung.

Ob der Notstand eines Tages doch noch einmal ausgerufen wird und was dann passiert, steht noch dahin. Steht alles noch dahin.

Noch ein Blog zur Notstandsdemo von ultimatehero

Geschichte meines Biertrinkens: Nichts schmeckt Köstlicher

Ich ahnte nicht, dass es einen „Tag des Biers“ gibt.
Aber verdient hat es das Bier, dergestalt geehrt zu werden.

Wobei ich gestehen muss, dass ich persönlich im Laufe meines Lebens vom Biertrinker zum Weintrinker mutiert bin. Bier trinke fast nur noch im Sommer wenn mich, wie der Darmstädter sagt „mich so en verschdeggde Durschd quäle dhud“ (Datterich)

Das war nicht immer so. In meiner Heimatstadt gab es das köstlichste Bier überhaupt: bei Maria Grohe Selbstgebrautes. Wenn Sie mal dahin kommen, das gibt es immer noch. Das legendäre Grohemännchen servierte uns Schülern unsere Krüge mit Beschimpfungen. Wir liebten ihn.

Bei Grohe gab es auch bis vor ein paar Jahren die Flaschen mit dem legendären Bierverschluss, den manche Jungs mit der Handkante aufschlagen konnten. Versuchen Sie das mal mit Kronkorken.

Heute
gab es einen Artikel in der Rundschau, womit die Österreicher die Bierflaschen aufmachen können. Eigentlich mit fast allem, was ne Kante hat. Erst habe ich zwar nicht verstanden, was da die Österreicher von den Deutschen unterscheidet. Aber dann hab ich festgestelllt, dass die Österreicher scheints die Bierflaschen nicht mit den Zähnen öffnen können.

Einige der härtesten Jungs
konnten das. Ich leider nicht. Mir ist ja sogar beim Nappoessen schon ein Schneidezahn abgebrochen.

Ich will mich jetzt nicht darüber auslassen, warum die Österreicher das nicht können, was unsere deutschen Jungs können. Nur soviel:

Wahrscheinlich haben sie keinen Grund, so versessen auf ein kühles Bier zu sein wie wir. Schließlich schmeckt nichts köstLICHER.

Nichtsahnend, dass es so etwas Hehres wie den Tag des Bieres gibt, habe ich erst diese Woche die Frankfurter Bierkrawalle gewürdigt und dabei noch mehr zum Bier gesagt.

Ich könnte Ihnen noch viel mehr vom Bier erzählen. Schließlich hab ich mit meiner Kleinen für die Theoretische Prüfung im Hotelwesen gebüffelt und weiß, wie Bier hergestellt wird und welche Arten man unterscheidet. Falls Sie irgendeine Frage zu Bier haben sollten, wenden Sie sich also vertrauensvoll an Ihren Seelsorger.