Leben Schreiben Atmen

So heißt ein Buch von Doris Dörrie, in dem sie anleitet, die eigene Lebensgeschichten zu schreiben.

Darin schreibt sie selbst wunderbare kleine Geschichten und rät:

Der Schlüssel zum Schreiben ist, nicht nachzudenken, um die Inspiration nicht zu unterbrechen, Probier es aus. Schreib los. Jetzt!

Dafür drei Regeln:

1. Schreib zehn Minuten ohne Pause. Am besten mit der Hand. Laß Dich treiben.
2. Denk nicht nach. (Wenn man zu viel nachdenkt, hört man prompt auf zu schreiben.) 
3. Kontrollier nicht, was du schreibst,. Mach Schreibfehler, Grammatikfehler, schreib Blödsinn.

Ich habe nicht sofort angefangen. Erst einmal habe ich ein paar Abende in ihrem Buch gelesen. Aber jetzt geht es los.

Der Mann im Mond, der hat es schwer…

sang Gus Backus schon 1961.

Der Mann im Mond
Der hat es schwer
Denn man verschont
Ihn heut‘ nicht mehr
Er schaut uns bang
Von oben zu
Und fragt:
„Wie lang‘
Hab‘ ich noch Ruh‘?“

Acht Jahre später war es dann soweit, dass Neil Armstrong (und kurz nach ihm Buzz Aldrin) als erste Menschen den Mond betreten.

Wir saßen unten in im Zelt und guckten zu.

Wir – das waren die Jungen im Jungscharzeltlager des Evangelischen Stadtjugendpfarramtes Darmstadt. Ich – 18 jährig – war als Helfer dabei.

Wir konnten zugucken, weil Heinrich Hallenberger als Stadtjugenddiakon die im nachhinein geniale Idee hatte, einen Generator aufzustellen.

Das war eine Zeitenwende. Strom hatten wir bis dato noch nie in einem Zeltlager, wir wären auch nie auf die Idee gekommen. In den Zelten wurde nachts eine Petroleumlampe angezündet, im Lager brannte die ganze Nacht das Lagerfeuer.

Von einem Elektrogeschäft bekam Hallenberger ein für die damalige Verhältnisse riesigen Fernseher geliehen, natürlich in Schwarz-Weiß. Das Farbfernsehen gab es zwar immerhin schon zwei Jahre, aber so etwas war noch teuer und unausgereift.

Fernsehgerät in den 60ern – natürlich das rechte.

Und so durften 40 8-14 jährige länger aufbleiben, saßen nachts gebannt vor der Kiste und sahen erstaunt, dass Neil Armstrong gar nicht ging, sondern eher hüpfte.

Das Mondfoto habe ich am 16. Juli fotografiert während der Partiellen Mondfinsternis.

Wie hat uns die Burg verbunden, unvergessen jeder Tag…

So begann ein Lied, das wir manchmal auf Fahrt gesungen haben. Zum Beispiel bei unserer Rheinhöhenwanderung in den frühen 60ern.

Wir wanderten von Oberwesel nach Bingerbrück, eine Station war die Jugendburg Stahleck in Bacharach.

Jugendburg Stahleck
(Foto: Sir Garwain/Wikimedia)

Nicht bewusst war mir bei unserer letzten Lahnwanderung, dass Burg Balduinstein die Jugendburg des Nerother Wandervogels ist (betrieben vom „Freien Bildungswerk“).

Jugendburg Balduinstein
(Foto Hermann Hammer/Wikimedia)

Viele Male war ich mit Konfirmanden auch auf der Jugendburg Rieneck der Christlichen Pfadfinder am Main.

Jugendburg Rieneck
Foto: © JD (de.wikipedia.org)

„Jugendburgen“ sind mittelalterliche Burgen, die seit der Jugendbewegung im Laufe des 20. Jahrhunderts als Begegnungstätten umgebaut wurden. Davon gibt es in Deutschland 23.

Am bekanntesten ist vielleicht Burg Waldeck durch die legendären Waldeck-Festivals, die erste Open-Air-Festivals Deutschlands.

Jugendburg Waldeck
© CEphoto, Uwe Aranas

Ende der 60er kam ich dann zum ersten Mal auf „unsere“ Jugendburg, Burg Hohensolms, ein paar Kilometer von hier.

Jugendburg Hohensolms
(Foto: Solmesius / Wikimedia)

Heute bin ich dort im Vorstand des „Freundeskreises Hohensolms“.


Eine Reise in meine Vergangenheit: Besuch im Archiv der Jugendbewegung

Letzte Woche unternahm ich eine kleine Reise in einen wichtigen Teil meiner Vergangenheit.

Wir besuchten die Jugendburg Ludwigstein im Werratal. Ludwigstein ist „die“ Burg der Jugendbewegung. Sie wurde 1920 gekauft und von den den Bünden der Jugendbewegung zur Jugendburg und zum „Erinnerungsmal für die im 1. Weltkrieg gefallenen Kameraden“ erbaut.

Heute arbeiten dort das „Archiv der Deutschen Jugendbewegung“, inzwischen Teil des Hessischen Staatsarchives , eine Jugendbildungsstätte und die Burg als Begegnungs- und Tagungsstätte. Sie ist Sitz des „Rings Junger Bünde“, in dem sich viele Nachfolgeorganisationen der Jugendbewegung zusammengeschlossen haben.

Burg Ludwigstein
Burg Ludwigstein
Blickt rüber zum Hanstein
Die gegenüberliegende Burg Hanstein lag schon in der DDR
Auf der Burg finden sich die alten Symbole
Mit dem Wandervogel begann die Jugendbewegung
Aus grauer Städte Mauern…
Historisches
Halstücher sauberlich im Archiv…
… und in meinem Arbeitszimmer

Dass Halstuch, Knoten und Koppel noch in meinem Zimmer hängen, zeigt wie wichtig für mich die Evangelische Jugend war.

Wie ich dorthin kam, habe ich hier beschrieben.

Wir gehörten nicht zur Bündischen Jugend, waren Teil der verfassten Kirche. Aber wir betrachteten uns durchaus als Nachkommen der Jugendbewegung.

Zeltlager, Wander- und Trampfahrten, Abende am Lagerfeuer und viele viele Lieder verbanden uns.

In den 6oer Jahren blühten die Jugendbünde neu auf, neben den „Jugendverbänden“ gab es auch alte Bünde: die Nerother, die Freischar, die d.j.1.11., den Bund Deutscher Jungenschaften und wie sie alle hießen, Wir trafen uns bei Zeltlagern und Treffen des Stadtjugenrings.


Die „Christdeutschen“

Hohensolms entstand als Jugendburg des „Bundes Christdeutscher Jugend“. Mein Vater gehörte zu den Christdeutschen, bis sie 1933 in die HJ überführt wurden.

„Was für ein Name“ wirst Du jetzt denken. Und hast teilweise, aber nur teilweise, Recht.

Der Name „Christdeutsch“ zeigt, wem sich dieser Bund verpflichtete: dem Christlichen und dem Deutschen. Bewusst wurde das „Christ“ an den Anfang gestellt, es sollte an erster Stelle stehen – in der Konsequenz sind die Christdeutschen später zur Bekennenden Kirche gestoßen.

Nicht ohne erbitterte Auseinandersetzungen und viele, die sich abwandten.

Aber da stand eben auch das „Deutsch“. Dahinter stand wie nahezu der gesamten Jugendbewegung völkisches Gedankengut, vielleicht die Gruppen der Arbeiterjugend ausgenommen.

Der „Freundeskreis Hohensolms“ ist sozusagen die Nachfolgeorganisation der Christdeutschen. Weil Teile unseres Archivs an das Ludwigsteiner Archiv abgegeben wurde, sind wir dorthin gefahren, um ein wenig in unseren alten Unterlagen zu stöbern.

Wie hat uns die Burg verbunden!
Unvergessen jeder Tag,
unvergeßne Abendstunden,
da das Land im Traumlicht lag!

Steht noch einmal auf dem Felsen,
blickt ins Tal, wie sich’s gebührt,
wo der Strom im Weiterwälzen
seine Strudel mit sich führt.

Lieder, die wir hier gesungen,
Fragen, die wir hier gefragt,
und was innen mitgeklungen,
ungefragt und ungesagt,

laßt es uns getreu bewahren,
all das leise Überein!
Wer wie wir das Glück erfahren,
kann nie wieder glücklos sein.


Manfred Hausmann


Eines unserer Lieblingslieder auf unseren Fahrten:

Trampen wir durchs Land


Fortsetzung folgt: Die „dunkle Seite“ der Jugendbewegung

Von Auschwitz aus erlebt: Invasion des Warschauer Paktes in die CSSR

Heute, am 21. August 2018, jährt sich zum 50. Mal die Besetzung der damaligen CSSR durch die Staaten des damaligen Warschauer Paktes.

Prager Einwohner vor sowjetischem Panzer
Prager Einwohner vor sowjetischem Panzer

Die DDR war an diesem Einmarsch nicht beteiligt. Nicht, weil sie nicht gewollt hätte, sondern weil sie nicht durfte. In Moskau wollte man nicht die Erinnerung an deutsche Besatzung provozieren. Die DDR-Führung empfand das als Diskriminierung und erfand Berichte über Mitwirkung der NVA (Nationale Volksarmee). Weiterlesen

Freunde im Milieu

Wenn Sie mich mal besuchen kommen,

sehen Sie im Flur als erstes eine Krimilandkarte. Da finden Sie über 200 Ermittler in ganz Europa drauf.

Alle kenne ich sie nicht, aber viele meiner besten Freunde sind darauf. Mit einigen von ihnen gehe ich seit Jahren immer mal wieder ins Bett.

Ich rede natürlich vom Krimimilieu und von Freundinnen und Freunden, die ich nur aus Büchern kenne. Aber das kann auch sehr intim sein.

Einigen begnadeten Krimiautorinnen und -autoren bin ich für diese Freundschaften von Herzen dankbar.

Zu ihnen gehört auf jeden Fall Maj Sjöwall,

Sie ist heute, am 25. September, vor 75 Jahren geboren.

Maj Sjwöwall war die, die mir zusammen mit ihrem Mann Per Wahlöö die Liebe zum Krimi lehrte.

Vorher kannte ich eigentlich nur Enid Blyton aus meiner Kindheit, Jerry Cotton aus meiner Jugendzeit und Edgar Wallace. Vielleicht hatte ich auch schon einmal etwas von Agathie Christi gelesen.

Aber der erste Roman von Sjöwall/Wahlöö war eine Offenbarung. Irgendwann Mitte der 70er Jahre wird das gewesen sein und wenn ich mich richtig erinnere „Der Tote im Götakanal“. Das war Literatur vom Feinsten, spannend und sozialkritisch.

Inzwischen liest jeder Krimis, in den Buchhandlungen muss man sich durch Berge durchwühlen und Sjöwall/Wahlöö sind längst in Vergessenheit geraten.

Wer denkt schon an die beiden, wenn er im Fernsehen „Kommissar Beck“ sieht?

Per Wahlöö ist leider viel zu früh bereits vor 35 Jahren verstorben.

Krimis ganz anderer Art schrieb Cornell Woolrich

Der ist heute, am 25. September, vor 42 Jahren gestorben. Cornell Woolrich war einer der ganz Großen der 40er und 50er Jahre neben Raymond Chandler und Dashiell Hammet.

Woolrich schrieb vor allem „schwarze“ Krimis. In „Noir-Krimis“ ist die Welt nicht wiederhergestellt, wenn das Verbrechen aufgeklärt ist. Es bleibt die düstere Stimmung, in die alle verstrickt sind, weil die Welt böse ist.

Einige von Woolrichs Romanen wurden hervorragend verfilmt, z.B. „Das Fenster zum Hof“ von Alfred Hitchcock, „Die Braut trug schwarz“ und „Das Geheimnis der falschen Braut“ von François Truffaut.

Freunde im Milieu hatte auch der Onkel eines Freunde von mir

In Darmstadt gab es früher nur 3 Lokale, die nach 1 Uhr nachts noch offen sein durften. In einem sind mein Freund und ich eines Morgens eingekehrt.

Wir wussten nicht wirklich, dass dort das „Milieu“ verkehrte, aber nach 1 war damals in Darmstadt kein anständiger Mensch unterwegs.

Welche Freude, als wir den Onkel meines Freundes dort an der Bar sitzend antrafen. Der gehörte nun überhaupt nicht zum Milieu, sondern war im Gegenteil Leiter der „Sitte“.

Zusammen mit seinen Bekannten erlebten wir einen unterhaltsamen Morgen. Damit Sie nichts Falsches denken: nur an der Bar sitzend und die Hände am Bierglas.

Welche Ernüchterung, als besagter Onkel später wegen Bestechlichkeit vor Gericht stand.

Kalenderblatt: Und fährt und fährt

Mein erstes Auto war natürlich ein Käfer. 1969 habe ich ihn von Herrn Stratmann für 300 Mark gekauft. Er war Baujahr 1953 und ich nannte ihn Asterix. Er war natürlich grau wie alle Käfer.

Asterix war kein Brezelkäfer. 1953 war nämlich das bis dahin geteilte Rückfensterchen durch ein ungeteiltes ovales Fensterchen ersetzt worden.

Asterix hatte noch Winker. Aber seit 1963 waren Blinker gesetzlich vorgeschrieben. Die hatte man nachgebaut. Als ich später einmal einer Freundin (1964 geboren), erzählte, in meiner Kindheit hätten die Autos Winker gehabt, war die Reaktion: „Du verarschst mich doch“.

Winker

Asterix hatte etwas, was ich an modernen Autos vermisse: einen Reservetank. Wenn das Benzin auszugehen drohte, was man am beginnenden Stottern des Motors merkte, musste man versuchen, blitzschnell mit dem Fuß vom Gaspedal weg einen kleinen Schalter im Fußraum umzudrehen. Dann wurde auf „Reserve“ umgeschaltet und man konnte noch einige Kilometer fahren.

Benzin einfüllen war etwas schwierig. Der Tank befand sich nämlich im Kofferraum, der sich wiederum unter der Kühlerhaube befand. Wollte man wirklich einmal verreisen, musste man zum Tanken erst das Gepäck ausräumen.

Asterix war noch nicht synchronisiert. Höherschalten war noch einfach, relativ. Man musste dazu auskuppeln, den Gang einlegen und wieder einkuppeln. Das war „Zwischenkuppeln“. Runterschalten war eine Kunst. Man musste auskuppeln, blitzschnell die richtige Menge Gas geben und wieder einkuppeln. Das war „Zwischengas“

Die ersten Tage waren peinlich. Selten gelang mir die richtige Gasdosierung und es krachte fürchterlich. das Gaspedal war übrigens ein Rädchen.

Asterix hatte nur eine 6-Volt-Lichtanlage, das war nachts nicht sooo hell. Eines Tages war die Armaturenbeleuchtung ausgefallen, seitdem orientierte ich meine Geschwindigkeit nachts an dem blauen Fernlichtlämpchen, das in der Mitte des Tachos bei Fernlicht leuchtete. Dann durch ich 50 Stundenkilometer. Nur durch Zufall entdeckte ich dann, dass es einen Drehknopf für die Armaturenbeleuchtung gab. Ich war entzückt über das hochmoderne Auto.

Leider fährt Asterix nicht mehr.

Heute, am 3. Juli, vor 75 Jahren wurde der erste Käfer vorgestellt.

42 Jahre kein Notstand ausgerufen.

42 Jahre kein Notstand ausgerufen

Wir waren damals sicher, das stünde kurz bevor. Wofür sonst wollten „die“ die Notstandgesetze verabschieden. „Die“, das waren SPD und CDU („SPD und CDU – lasst das Grundgesetz in Ruh“, „Wer hat uns verraaaten – Sozialdemokraaten. Wer schaut zu – CDU“) und deren Rädelsführer Benda („Bendaaaa – wir kommmmmen“).

Heute, am 30. Mai, vor 42 Jahren wurden von der Großen Koalition die „Notstandsgesetze“ verabschiedet. 28 der damals 145 Artikel des Grundgesetzes wurden damit eingeschränkt, verändert oder aufgehoben.

Immerhin wurde ein Absatz 4 in Artikel 20 des Grundgesetzes eingefügt

Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist.

Knapp 3 Wochen vorher, am 19. Mai, war ich als damals 17jähriger nach Bonn gefahren. Beileibe nicht die erste Demo meines jungen Lebens – dafür war in den Monaten zuvor zuviel geschehen – aber bis dato die größte und aufregendste.

Das Kultusministerium hatte uns Schülern natürlich die Teilnahme an der Demonstration verboten. Aber wohl fast alle Schüler der Oberstufe fuhren nach Bonn. 3 Lehrer fuhren auch mit. Ein Vater eines Freundes – Pfarrer in Darmstadt – hat 3 von uns in seinem alten VW mitgenommen. (Gerne erinnern wir uns daran, wie er spätabends in Darmstadt volle Pulle die Autobahnausfahrt nahm und wir ins Grüne schlitterten. Passiert ist nichts.)

Am eindrücklichsten sind mir die langanhaltenden Rufe „Generalstreik! Generalstreik“ in Erinnerung. Dass es die nicht gab – im Gegensatz zu Frankreich, wo 6 Tage zuvor die französichen Gewerkschaften den Generalstreik ausgerufen hatten – war eine große Enttäuschung.

Ob der Notstand eines Tages doch noch einmal ausgerufen wird und was dann passiert, steht noch dahin. Steht alles noch dahin.

Noch ein Blog zur Notstandsdemo von ultimatehero

Geschichte meines Biertrinkens: Nichts schmeckt Köstlicher

Ich ahnte nicht, dass es einen „Tag des Biers“ gibt.
Aber verdient hat es das Bier, dergestalt geehrt zu werden.

Wobei ich gestehen muss, dass ich persönlich im Laufe meines Lebens vom Biertrinker zum Weintrinker mutiert bin. Bier trinke fast nur noch im Sommer wenn mich, wie der Darmstädter sagt „mich so en verschdeggde Durschd quäle dhud“ (Datterich)

Das war nicht immer so. In meiner Heimatstadt gab es das köstlichste Bier überhaupt: bei Maria Grohe Selbstgebrautes. Wenn Sie mal dahin kommen, das gibt es immer noch. Das legendäre Grohemännchen servierte uns Schülern unsere Krüge mit Beschimpfungen. Wir liebten ihn.

Bei Grohe gab es auch bis vor ein paar Jahren die Flaschen mit dem legendären Bierverschluss, den manche Jungs mit der Handkante aufschlagen konnten. Versuchen Sie das mal mit Kronkorken.

Heute
gab es einen Artikel in der Rundschau, womit die Österreicher die Bierflaschen aufmachen können. Eigentlich mit fast allem, was ne Kante hat. Erst habe ich zwar nicht verstanden, was da die Österreicher von den Deutschen unterscheidet. Aber dann hab ich festgestelllt, dass die Österreicher scheints die Bierflaschen nicht mit den Zähnen öffnen können.

Einige der härtesten Jungs
konnten das. Ich leider nicht. Mir ist ja sogar beim Nappoessen schon ein Schneidezahn abgebrochen.

Ich will mich jetzt nicht darüber auslassen, warum die Österreicher das nicht können, was unsere deutschen Jungs können. Nur soviel:

Wahrscheinlich haben sie keinen Grund, so versessen auf ein kühles Bier zu sein wie wir. Schließlich schmeckt nichts köstLICHER.

Nichtsahnend, dass es so etwas Hehres wie den Tag des Bieres gibt, habe ich erst diese Woche die Frankfurter Bierkrawalle gewürdigt und dabei noch mehr zum Bier gesagt.

Ich könnte Ihnen noch viel mehr vom Bier erzählen. Schließlich hab ich mit meiner Kleinen für die Theoretische Prüfung im Hotelwesen gebüffelt und weiß, wie Bier hergestellt wird und welche Arten man unterscheidet. Falls Sie irgendeine Frage zu Bier haben sollten, wenden Sie sich also vertrauensvoll an Ihren Seelsorger.

Zähne. Oder: Die Kunst, Motorrad zu fahren.

In einem flagranten Anflug von Selbstüberschätzung meinte ich erst neulich wieder einmal zu meiner Liebsten: „Vielleicht mache ich ja nochmal meinen Motorradführerschein“.

„Lieber jetzt nicht widerspechen“, mag sie gedacht haben und lächelte nur still vor sich hin.

Glücklicherweise verhält es sich mit meiner Psyche so, dass ich es im Grunde schon für wagemutig genug halte, diesen Gedanken zu hegen, so dass es einer Umsetzung nicht mehr bedarf.

Allein der Gedanke, als beleibter älterer Herr mich mit irgendwelchen jungen Schnöseln in der Fahrschule vergleichen zu müssen – das wäre für die jungen Leute doch zu peinlich.

Zudem denke ich, seit ich in jungen Jahren Johanniter war und manchen Unglückseligen vomn der Autobahn geholt habe, eigentlich bei dem Gedenken an Motorradfahren zuerst an Haut, die über die Straße rutscht. Gerade jetzt, wo ich so schön braun gebrannt von Korsika zurück bin, ist das ein hässlicher Gedanke.

Was ich aber heute in der Rundschau gelesen habe, wird mir hoffentlich den Gedanken ans Motorradfahren für immer austreiben, führte es mir doch drastisch vor Augen, dass Motorradfahren nichts für uns junge Alte ist:

Motorradfahren nichts für Alte!

Mal ehrlich: das muss doch nicht sein. Ich darf zwar stolz behaupten, noch keine dritten Zähne zu besitzen und aus leidvoller Erfahrung prinzipiell keine Nussschokolade zu essen – insofern könnte mir das nicht passieren.

Aber im Unterschied zu meinem Auto wüsste ich zum Beispiel bei einem Motorrad gar nicht, wo ich jenes segensreiche kleine Päckchen Zahnseide, das ich im Auto deponiert habe, verstecken sollte.

Aber im Grunde finde ich das eine peinliche Geschichte. „Motorradfahren wollen und das Gebiss verlieren“, das ist doch wie, wie mein Vater immer sagte, „Mit den großen Hunden pissen gehen und das Bein nicht heben können“, oder?

Apropos mein Vater. Der hat sein Gebiss immer rausgenommen, wénns was zu essen gab, was nicht gut zu kauen war. Und an einem sonnigen Tag in einem Lokal in Österreich konnte er es auch nicht wiederfinden. Der hat aber nicht gleich die Polizei gerufen, sondern wir nur unterm Tisch genauer nachgeschaut.

Da saß unser Schnuffi (so nannten wir unseren Cocker-Spaniel, eigentlich hieß sie Ustinella vom Julyhof, da klingt doch selbst „Schnuffi“ besser) und probierte das Gebiss gerade auch einmal an.

Was mich zu der Frage bringt, wie das Gebiss eigentlich auf die Stanspur gekommen ist. Ich meine, auf der Autobahn steigt ja keiner aus, um solche Fundstücke ordentlich an den Straßenrand zu legen.
Ich kanns mir eigentlich nicht anders vorstellen, als dass irgendein Vogel (vielleicht auch ein schnelles Reh beim Wildwechsel) das Gebiss in der Freude, ein Stück schönes Gammelfleisch gefunden zu haben, apportiert hat, um es dann angeekelt am Straßenrand fallen zu lassen. Oder was glauben sie?