Erinnerungen: Freundinnen und andere Probleme

Wie gerne hätte ich eine Freundin gehabt. Aber es ging nicht. Ich hätte mich nie getraut, sie mit zu uns nach Hause zu bringen.

Meine Geschwister machten das, aber ich habe mich viel zu sehr für den Hinterhof geschämt, in dem wir wohnten und das kleine Zimmer, das ich mir mit meinem Bruder teilte.

Es war wohl so, dass man als Arbeiterkind, das aufs Gymnasium ging, damals in zwei Welten lebte, die sich nicht miteinander vereinbaren ließen.

Es gab Mädchen, die standen dann einfach bei uns im Hof. Mir war das entsetzlich peinlich.

Wie gerne hätte ich eine Freundin gehabt. Aber es ging nicht. Ich hätte mich nie getraut, sie mit zu uns nach Hause zu bringen.

H. lernte ich auf der Skifreizeit kennen. Ein unglaublich schönes Mädchen – und sie verliebte sich in mich – ein Wunder. Auf dem Rückweg von Südtirol im Bus küssten wir uns ununterbrochen. Das Lied „Hej – du bist Musik für mich“ werde ich deshalb nie vergessen, das spielte immer wieder.

Der Diakon schwärmte meiner Mutter vor, was für ein tolles Mädchen ich da habe. So klug, so nett, so hübsch. Meine Mutter wollte sie natürlich kennenlernen, ich vertröstete sie.

Wir trafen uns sonntags beim Tanztee der Tanschule und schrieben uns liebe Briefe. Mehr ging nicht. Ihr Vater war Professor.

Ich brach den Kontakt ab und war totunglücklich. Eines Abend rief ein Schulkamerad an und fragte, ob ich nicht zu seiner Party kommen wolle, ein Mädchen warte da auf mich. Es brach mir das Herz und ich heulte fürchterlich.

Ich begnügte mich damit, bei allen möglichen Gelegenheiten – und die gab es in diesen späten 60er viele – herumzuknutschen. Und nicht nur das. Bei McKinsey hatte ich gelesen, dass man das „Petting“ nannte.

Anscheinend fanden die Mädchen mich auch gut.

Zum ersten Mal „richtigen“ Sex hatte ich im hohen Alter. Mit 21, auf einem Seminar. Wieder ein unglaublich schönes Mädchen, wilde rote Locken. Es war wohl Liebe auf den ersten Blick bei uns beiden.

Nach dem Sex fragte sie mich, ob ich eine Freundin habe – und ich schämte mich wieder. Diesmal dafür, keine Freundin zu haben. Also sagte ich „Ja“,

Das war eindeutig das kleinere Übel. Schließlich war es völlig in Ordnung Sex neben einer Beziehung zu haben. Aber es war nicht in Ordnung, keine Freundin zu haben. Den begriff „Looser“ kannten wir damals noch nicht.

Ich konnte toll Briefe schreiben und ich spannte einem anderen Jungen ein Mädchen aus. Die nahm ich sogar zu einem Abendessen bei meiner Schwester mit der ganzen Familie mit. Meine Schwester war baff: „Wo hast Du die denn kennengelernt, die ist ja sooo hübsch…“

Meine Freundinnen mussten schön sein. OK fand ich das nicht von mir.

Bei ihr zuhause küssten wir uns, ich durfte ihren schönen Busen streicheln und sie ließ mich einen Blick in ihre Schreibtischschublade werfen, wo die Pille lag.

Ich natürlich traute mich nicht mehr als ein bisschen rumzumachen. Natürlich sprachen wir nicht darüber.

Sie hat dann bald Schluss gemacht. Das hätte ich auch an ihrer Stelle.

In ihrem Buch „Leben Schreiben Atmen“ schreibt Doris Dörrie wundervolle kleine Geschichten und gibt Anregungen zum Selber Schreiben:

1. Schreib zehn Minuten ohne Pause. Am besten mit der Hand. Laß Dich treiben.
2. Denk nicht nach. (Wenn man zu viel nachdenkt, hört man prompt auf zu schreiben.) 
3. Kontrollier nicht, was du schreibst,. Mach Schreibfehler, Grammatikfehler, schreib Blödsinn.

Feiern wir die Internationale

Endlich mal wieder ein Sonntag, wie er sein soll: Wärme, strahlende Sonne, strahlende Gesichter, gute Musik, gutes Bier, gute Laune.

StadtfestStadtfestIn Marburg war Stadtfest „3 Tage Marburg“ nennen Sie es und ein wunderbarer Anlass, mal wieder hin zu fahren. Obwohl ich dieses Jahr zum „Elisabethjahr“ (800 Jahre Hl. Elisabeth) schon dreimal da war. Aber schon wenn ich von Stauffenberg her Richtung Marburg fahre und dann das Schloss über der Stadt sehe, finde ich das jedesmal wieder ein wunderbares Bild.

Nostalgie? Schließlich habe ich da Anno Tubak (sprich Anfang der Siebziger Jahre) studiert. Obwohl das zumn Studieren vielleicht die schönsten und aufregendsten Zeiten waren, die man sich vorstellen kann, beneide ich die Studenten heute doch ein bisschen – vor allem natürlich um ihre Studentinnen. Nicht nur, weil die so schön jung sind. Wenn meine Erinenrung mich nicht trübt, waren wir das früher auch. Nein, vor allem: wie eintönig das damals war. Fast nur Deutsche. Und heute alle Nationen versammelt.

Früher gab es das Stadtfest nicht. Da gab es das DKP-Fest. Sonst hielt ich ja nichts von denen, gehörte zu einer anderen Fraktion. Aber Marburg war nun mal DIE DKP-Hochburg überhaupt. Und feiern konnten die, dass muss man ihnen lassen.

Auf den Lahnwiesen haben sie jedes Jahr im Sommer ein riesengroßes Bierzelt aufgestellt, das war gerammelt voll von Leuten und eine große Blechkapelle spielte wunderbare Lieder: „Bandiera rossa“ zum Beispiel.

Wie? Sie denken, sowas spielt ein Blechorchester doch nicht? Da irren Sie. Dieses schon. Das war nämlich das „Wiebelskirchener Schamlmeienorchester“. Die kam extra immer aus dem Saarland angereist und machte 1971 Erich Honecker zu ihrem Ehrenmitglied. War ja auch der prominenteste Sohn des Dorfes und hatte die neuen Intrumente gestiftet.

Das waren noch Zeiten. Gestern gabs dafür heiße afrikanische Rhytmen. Auch nicht schlecht. Früher haben wir die Internationale gesungen und heute sind wirs.

Afrikanische Rhytmen: Sir Mystik