Ich ersticke. Oder ertrinke. Um mich herum ist es tiefschwarz. So schwarz, wie ich es noch nie erlebt habe.

Jetzt weiß ich, wo ich bin. Tief unten im Brunnenschacht in unserem Hof. Ein enger Schacht, man konnte von oben nicht bis auf den Grund sehen.

Nur wenn man einen Stein hinweinwarf, konnte man zählen, wie lange er bis zum Wasser brauchte.

Der Schacht war immer zugedeckt, nur in ganz heißen Sommern wurde daraus Wasser hochgeholt. Unsere Eltern haben uns davor immer gewarnt.

Nun liege ich im Brunnen unter Wasser und drohe zu ertrinken. Aber das ist kein Wasser, merke ich, so schwarz kann das nicht sein.

Es ist Blut. Tiefschwarzes Blut. Ich liege im schwarzen Blut und ersticke, ertrinke.

Todesangst.

Ein heller Punkt ist zu sehen. Leuchtend.

Ich werde in die Sonne gezogen

Er wird heller – jetzt merke ich, dass es die Sonne ist. Ich werde geblendet und kann nur mit Mühe ins Licht sehen.

Ich werde gezogen. Etwas zieht mich nach oben, hinauf ins Licht. Oben sind Menschen. Ich weiß nicht, wer. Weiß nur, dass ich sie kenne.

Es sind gute Freunde.

„Ach, da bist Du ja wieder“, sagen sie.

Ich erwache und jetzt ersticke ich wirklich. Ich bekomme keine Luft, etwas ist in meiner Nase. Ein Schlauch.

Ich muss ihn herausziehen, sonst sterbe ich.

Ich ziehe und ziehe, er wird immer länger. Jetzt habe ich ihn raus. Ein Magenschlauch.

Faro, Portugal, 1983. Ich bin aus der Notoperation erwacht, bei der mir der ganze Bauch aufgeschnitten wurde. Ein Blinddarmdurchbruch wurde nicht entdeckt, er muss schon ein paar Tage her sein. Nach 5 Wochen 40 Fieber werde ich nach Deutschland geflogen.


Am Tag vorher war ich mittags hier eingeliefert worden. Hatte in der Notaufnahme neben einem Kind Mann gelegen, von dem ich wusste, der stirbt gerade.

Aber ich konnte nicht mehr operiert werden, zu viel war los. Abends werde ich in ein Zimmer gefahren, alle meine Sachen werden in einen Plastiksack gepackt. Auch der Ehering.

Schwarze Männer kommen herein, mit Ruß geschwärzt.

Es sind die Kohlenmänner, die ich aus meiner Kindheit kenne. Schwere Säcke mit Kohlen haben sie auf dem Rücken geschleppt und in die Kellerluken geschüttet.

Jetzt holen Sie hier schwere Säcke ab. Mich will auch einer hochheben, aber der andere sagt:

„Bei dem braucht ihr nichts mehr zu machen – der ist sowieso gleich tot.“


Gestern hat jemand in einem Herzforum gefragt, ob einer schon einmal eine Nahtoderfahrung gehabt habe.

Da ist mir aufgefallen, dass ich hier noch nie von dieser wohl schlimmsten Erfahrung meines Lebens erzählt habe. Natürlich nicht die Nahtoderfahrung, sondern die Krankheit und vor allem die Begleitumstände. Aber davon ein anderes Mal mehr.

Und auch von den anderen Träumen, die den Tod und die Auferstehung ankündigten. Prophetische Träume.

2 Gedanken zu “Nahtod

  1. Das Phänomen Nahtod-Erfahrung(NTE) ist schon seit über einem Jahrzehnt komplett erklärt. Bei NTEs handelt es sich nur um einen strukturiert ablaufenden Erinnerungsvorgang – bei dem man bewusst erleben kann, wie das Gehirn einen einzelnen Reiz/Gedanken systematisch verarbeitet.
    Beim Erleben einer NTE ist man lebendig und bei Bewusstsein – NTEs haben nichts mit Sterben/Tod zu tun.

    Per Google-suche [Kinseher NDERF denken_nte] ist eine frei lesbare PDF mit dem Erklärungsmodell einsehbar.
    Mein Buch/E-Buch ´Kinseher Richard: Pfusch, Betrug, Nahtod-Erfahrung´ ist im Handel erhältlich.
    (Der Vorwurf im Titel bezieht sich auf die ´Qualität´ vieler Medienberichte und ´wissenschaftlicher´ Arbeiten: Entweder haben diese Leute überhaupt keine seriöse Recherche gemacht (dann hätten sie mein Erklärungsmodell finden müssen) – oder es wird in betrügerischer Absicht absichtlich falsch informiert)

    Mein NTE-Erklärungsmodell habe ich auf Grundlage des seit 1975 im Handel erhältlichen Buches von Dr. Moody ´Leben nach dem Tod´ erstellt – weil ich damit zeigen will, dass NTEs schon seit damals erklärbar gewesen wären. Dieses Buch ist ein wichtiger Klassiker der NTE-Literatur – d.h. jeder NTE-´Experte´ kennt es.

    1. Vielen Dank für Ihren Besuch auf meinem Blog. Beim Lesen haben Sie sicher festgestellt, dass ich an keiner Stelle von Tod spreche, sondern von einem Traum als Teil einer dramatischen Erfahrung.

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